Ein 42,195 km Spaziergang durch Berlin: Der Bericht einer Debütantin!


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Endlich war er da, der große Tag! 16 Wochen intensives Marathontraining lagen hinter mir und die Aufregung, ob das Training reichte, wurden von Tag zu Tag größer. Hätte ich nicht doch noch einen langen Lauf mehr machen sollen? Und wenn ich bei den langen Läufen bereits bei Kilometer 30 einbrach, wie sollte ich dann 42 Kilometer schaffen? Ich konnte mir das kaum vorstellen. Kein Wunder also, dass ich damit haderte, überhaupt anzutreten. Und wenn mich Leute fragten, ob ich den Berlin Marathon laufen würde, dann sagte ich nur: „Na mal sehen, ich weiß es noch nicht…“.

Neue Bestzeit und die klassischen Symptome der Taperitisletzter-lauf-mit-laufcrew

Die letzten zwei Wochen vor dem Marathon verbrachte ich mit diesen Zweifeln. Ich reduzierte mein Training und legte einen Schwerpunkt auf die Geschwindigkeit. So kam es, dass ich nur eine Woche vor dem Marathon beim SportScheck-Lauf in Braunschweig ganz unerwartet eine Bestzeit für 10 km aufstellte – ganz knapp unter 50 Minuten. Das war etwas, was mir noch vor einem Jahr total unrealistisch vorkam. Und nun ergab sich einfach so, quasi nebenbei. Mein Körper war also topfit und kampfbereit.

Leider rächte sich das Training aber doch etwas, und so schleppte ich einige Tage vor dem Marathon eine leichte Erkältung mit mir herum. Damit war nach einem letzten Intervalltraining mit der Laufcrew alles weitere Training gestrichen. Ich versuchte, so viel wie möglich zu schlafen und gesund zu essen, damit es sich nicht verschlimmerte.

Los geht’s nach Berlin

Am Samstag ging es dann in meine Herzstadt Berlin. Ich packte meine Sachen und wählte mein Lieblingslaufoutfit. Läufer*innen sind ja immer etwas abergläubisch, was das betrifft, also wurden es meine schnellen Adidas Adizero Adios Boost, eine kurze Adidas-Hose sowie Kompressionssocken und das Runner-Shirt (+ BH) von Nike. Dazu kamen Handy, Kopfhörer und Laufuhr. Als Verpflegung packte ich einen Cliff Bar, zwei flüssige Energie Gele und eine Energie Waffel (ja, die gibt es!) ein. Den Versuchungen, neue Laufklamotten extra für den Tag zu kaufen, widerstand ich. Ich wollte schließlich nichts riskieren.

Am Nachmittag erreichte ich die Marathon Messe und wuselte mich irgendwie durch die Menschen. Erstaunlich schnell kam ich zu den Startunterlagen, nur den Ausgang fand ich irgendwie nicht so schnell. 😀 Auch hier widerstand ich der Versuchung, neue Laufklamotten zu kaufen. Schließlich hatte ich ja nun wirklich alles!

Der große Tag ist perfekt geplant

Abends trank ich noch ein alkoholfreies Bier mit einer Freundin und traf letzte Verabredungen für die Laufstrecke. An mehreren Punkten wollten Freunde auf mich warten. Schließlich fiel ich ins Bett und schlief tatsächlich unglaubliche 7,5 Stunden. Meistens kann ich vor Aufregung gar nicht schlafen, doch die Erkältung und der Arbeitsstress der letzten Tage rächten sich wohl. Gegen halb acht stand ich am Sonntag auf und machte mich so langsam fertig. Meine Sachen lagen schon alle gepackt bereit, die Startnummer befestigte ich auch irgendwie.

Leider hatte ich keinen richtigen Hunger, also aß ich zum Frühstück nur eine Banane und ein paar Kekse. Dazu gab es Saft. Gegen 8:15 Uhr lief ich dann los zum Startpunkt, der war nur 2 Kilometer entfernt. Es fühlte sich großartig an, auf den leeren Straßen Berlins zu laufen und auf andere Laufbegeisterte zu treffen. Ich lauschte still ihren Gesprächen und knabberte an meiner Energie Waffel.

Im Startbereich gab ich dann meinen Kleiderbeutel ab und stellte mich schon mal an die Dixi-Schlange an. Das ist ja quasi auch schon eine Art Ritual bei den großen Berliner Läufen. Während ich wartete, ging es für die ersten Blöcke schon auf die Strecke.

Da hatte es schon Vorteile, in Block H zu starten und alles ganz gemächlich anzugehen. Gegen 9:30 Uhr befand ich mich dann auch in meinem Block auf der Straße des 17. Juni. Ich fühlte mich immer noch ganz entspannt und eher wie bei einem großen Volksfest. Als es dann aber losging und der Moderator sagte: „Das ist der Block H, das ist unser Lieblingsblock, denn da sind die Marathonneulinge und die entspannten Läuferinnen und Läufer“, hatte ich dann doch Freudentränen in den Augen.

Euphorie zu Beginn

Und so war er endlich da, der große Tag, und ich überquerte tatsächlich die Startlinie. Und das mit zigtausenden anderen Menschen bei schönstem Wetter in meiner Herzstadt. Es war großartig.

Natürlich warf ich sofort wieder hinter dem Start alle meine Pläne für Zielzeiten über Bord. Die Erkältung der letzten Tage und der Respekt vor der Strecke verunsicherten mich, und so ließ ich meinen Körper entscheiden. Der hielt aber ausnahmsweise mal nichts von einem schnellen Anfangstempo und Überholvorgängen, sondern trabte gemütlich vor sich hin. Der Marathon ist wohl beinahe der erste Lauf, den ich nicht zu schnell gestartet bin.

Freundehopping entlang der Marathonstrecke

Mein erstes Ziel hieß: Torstraße. Meine Freunde standen nämlich etwa alle 5-10 Kilometer, so dass die Marathonstrecke in kleinere Abschnitte unterteilt war. Und ich lief einfach von den einen Freunden zu den anderen. Das erwies sich als super Taktik!

Bei Kilometer 8 begegnete ich den ersten Freunden und lief dann weiter. Während des Laufens hielt ich bei jedem Versorgungspunkt an und nahm Wasser oder Iso. Und da ich immer Probleme mit der Hitze bei Läufen habe, gerade bei Sonne und 24 Grad wie in Berlin, goss ich mir immer auch Wasser über den Kopf. Oder ich lief durch die Duschen der Feuerwehrautos. Gefühlt war ich also permanent nass.

Bis Kilometer 15 konnte ich das angeschlagene Tempo halten, dann wurde ich immer langsamer. Vielleicht war mir unbewusst klar, dass ich 42 Kilometer nicht mit einer Pace von 5:45 schaffen würde. Auch meine Füße und Beine fühlten sich irgendwie schwer an. Ansonsten ging es mir aber super. Ich hatte das Gefühl, mein Körper wollte einfach immer weiter laufen. Jeder Getränkestopp fiel mir schwer. Ich wollte einfach nur Laufen, Laufen, Laufen. Wie eine Maschine. Und auch meine innere Motivation war ungebrochen. Ich wollte das Ding rocken! Also immer weiter.

Nanu? Wo bleibt denn der Mann mit dem Hammer?

freunde-bei-km-41

Bei Kilometer 25 traf ich die nächsten Freunde, umarmte sie und so ging es dann auf die 30 zu. Die ganze Zeit dachte ich: Ok, bis 32 muss ich es schaffen, danach kommt ja eh der Mann mit dem Hammer und dann gehe ich halt. Der kam aber gar nicht bei Kilometer 32. Also ging es weiter. Gefühlt bestand die Strecke zwischen Kilometer 25 und 35 aus ewig langen asphaltierten Straßen und viel zu viel Sonne. Nichts kam mir bekannt vor, aber mein Körper wollte immer weiter voran. Ich legte auch nur wenige Pausen ein, bei Kilometer 16 und 28 versorgte ich mich mit den Energie Gelen und unerwartet gab es einen Dixi-Stopp bei Kilometer 28, was mich immerhin 4 Minuten kostete.

Schließlich machte sich bei Kilometer 35 dann doch aber doch die erste Erschöpfung breit. Das muss man mir auch optisch angesehen haben, zumindest erzählten mir das später meine Freunde. Umso mehr freute ich mich, Mietze und Rehspeck am Getränkestand zu entdecken und später beim Cheering Point vom Nike Run Club vorbei zu laufen!

Da mir leicht schwindelig war, legte ich vorsichtshalber kurze Gehpausen ein um zu schauen, was mein Kreislauf da gerade veranstaltete. Aber mein Puls war stabil, also ging es weiter bis Kilometer 38/39.

Das Ziel ist in Sicht

Bis dahin hatte ich eigentlich immer noch sehr gute Laune und viel Spaß, das änderte sich erst ab Kilometer 39. Und nun fragte ich mich dann doch, was das alles sollte und warum ich eigentlich gerade einen Marathon lief. War das der Mann mit dem Hammer? Der kam mir beim Brockenlauf dann doch schlimmer vor. 😉 Und irgendwie kam es mir auch blöd vor, 3 Kilometer vor dem Ziel aufzuhören, also ging es weiter, so gut es ging. Umso größer war die Überraschung, als ich bei Kilometer 41 wieder unerwartet auf Freunde traf. Die waren mir nämlich seit Kilometer 8 hinterher gefahren, nur hatte ich sie jetzt erst wieder bemerkt. Nach einer letzten Umarmung ging es zum Ziel. Und da war es das Brandenburger Tor, ich mobilisierte die letzten Kräfte und lief so schnell ich konnte an den Tribünen vorbei zum Ziel. Zweimal wurde mein Namen gerufen, das gab mir Energie und ich zog es durch!

Und tatsächlich, ich hatte es geschafft, 42,195 km zu laufen und das größtenteils mit Spaß dabei. Meine Zeit von 4:31:37 war da echt schon egal. Mir ging es großartig und ich war so glücklich, dass ich den Lauf wirklich lächelnd beenden hatte. Ich erhielt die Medaille, aß einen Apfel und lief vorsichtig zum Ausgang, wo mich meine Familie im Empfang nahm. Mit ihnen zusammen suchte ich dann meine Freunde, die mir so tapfer hinterher gefahren waren. Und den Rest des Tages verbrachte ich dann einfach nur mit meinen Liebsten, mit leckerem Essen und alkoholfreien Getränken. Ein absolut perfekter Tag! Die gute Laune hielt den ganzen Tag an und wollte einfach nicht enden. Nur am nächsten Tag, da hatte ich dann doch heftigen Muskelkater und eine fiese Erkältung. 😉

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7 Responses

  1. Marta
    | Antworten

    Herzlichen Respekt und Glückwunsch! 🙂

  2. Hadi Zanjani
    | Antworten

    Herzlichen Glückwunsch. Hauptsache bist Du mit einem Lächeln ins Ziel gekommen:)

    • stadtpoetin
      | Antworten

      Danke schön!

  3. Jenne
    | Antworten

    Glückwunsch zum Finish. Klasse Leistung ! Für mich war es auch mein Marathon-Debut und gestaltete sich ebenfalls ab KM39 problematisch

    • stadtpoetin
      | Antworten

      Ulkig, oder? Vielleicht lag es auch an der mangelnden Versorgung. Aber bei Km 39 ist es ja nun echt auch nicht mehr schlimm.

  4. Eddy
    | Antworten

    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem erfolgreichen Marathon-Debut, FINISHER !! 🙂

    Und denk immer daran: Es ist nicht die Zeit, die zählt – es ist Deine Leidenschaft.

    • stadtpoetin
      | Antworten

      Danke schön! Da hast du vollkommen recht. 🙂

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