Bergauf und Bergab – Der Brockenlauf (Stadtpoetins Testwettkampf)

Seit Wochen darf ich Stadtpoetin auf dem Weg zu ihrem ersten Marathon begleiten. Anstatt eines klassischen Testwettkampfes, entschied sie sich dafür ihre Form beim Brockenlauf im Harz zu überprüfen. Nach vielen Höhen und Tiefen erkannte sie am Ende eines: Was es ist?

Find’s raus:-)

26,2 Kilometer und 1000 Höhenmeter – erst 12,2 km bergauf zum Brocken und dann 14 km bergab, das ist der Brockenlauf. Seit 1927 gibt es ihn nun schon.

Einer von gut 500 Startern

brockenlauf-brockenlaufverein
(c) Brockenlaufverein

Rund tausend Menschen kamen am ersten Septemberwochenende in Ilsenburg zusammen, um bei sommerlichen Temperaturen im Harz zu wandern oder zu laufen. Auf der 26-Kilometer-Laufstrecke starteten 446 Männer und 83 Frauen.

Ausdrücklich wurde vorab von den Veranstaltern darauf hingewiesen, dass der Brockenlauf nur etwas für ambitionierte Läuferinnen und Läufer sei, schließlich muss das Ziel in 3,45 h erreicht werden. Also standen am Start tatsächlich sehr viele „Laufprofis“. Zum Beispiel Florian Reichert aus Göttingen, Deutscher Meister im Ultra-Trail. So manche T-Shirts mit den Aufdrucken „Rennsteiglauf“ oder „Zugspitz-Ultratrail“ waren zu sehen. Und irgendwo dazwischen stand auch ich.

Deutsche Bahn – Wenns mal wieder länger dauert

Von Anfang an stand der Brockenlauf für mich unter keinem guten Zeichen. Da ich mich ja mitten im Marathontraining befinde, hatte ich noch einen Abend zuvor ein Intervalltraining absolviert und zudem vor Aufregung wenig geschlafen.

Am nächsten Morgen saß ich dann voller Vorfreude im Zug nach Ilsenburg und sah schon in der Ferne den Brocken – nur leider hatte der Zug eine Stunde Verspätung.

Und so traf ich dann erst 15 Minuten vor Startschuss am Bahnhof ein, sprintete zur Anmeldung, warf meine Sachen in der Turnhalle ab und hechtete zum Start. Schnell noch den Chip festgebunden und schon ging es zwei Minuten später los.

Es geht auf altbekanntes Terrain

Die Strecke war mir vertraut – erst am Montag zuvor war ich von Ilsenburg auf den Brocken gewandert und auch am 16,5-Kilometer-Osterlauf des Brockenlaufvereins hatte ich teilgenommen. So ging es dann für mich auch rasch hinauf in den Wald.

Die ersten fünf Kilometer liefen sehr gut, auch wenn die sommerlichen 22 Grad nicht ganz so meinem Temperaturempfinden entsprachen. Dann ging es auf den Bremer Weg, ein schmaler Trail entlang der Ilsefälle. Eine malerische Landschaft erwartete uns dort. Durch die anspruchsvolle Wegführung und die konstante Steigung wanderten wir brav hintereinander nach oben.

Erst danach ging es wieder flotter voran – allerdings nur etwa bis Kilometer 9. Denn da begann schon der berüchtigte Hirtenweg, 2,8 Kilometer mit bis zu 20% Steigung, als Untergrund nur Platten. Die Temperaturen sanken um 10 Grad, vom eisigen Wind begleitet.

Die Vorbelastung des Marathontrainings ist spürbar

Auch wenn es mir zu diesem Zeitpunkt super ging und ich vor Endorphinen nur so durchflutet wurde, merkte ich schon an den Schmerzen in meinen Beinen, dass der Abstieg grausam werden könnte. Kurz dachte ich darüber nach, auf dem Brocken auszusteigen. Das kam mir dann aber auch idiotisch vor, denn wenn man auf den Brocken kommt, sollte man es auch wieder hinabschaffen. Und eigentlich war ja das Bergablaufen meine Stärke.
Aber erst einmal genoss ich den Ausblick. Wir hatten fabelhaftes Wetter und so konnte ich tief hinab in das Tal schauen. Über mir der blaue Himmel mit weißen Wolken. Großartig! Auf dem Brocken wurden wir dann von der Brockenhexe erwartet, die uns mit ihrem Besen weiter trieb.

Und so passierte ich nach 1:42 h das Brockenplateau und den höchsten Punkt mit 1142 m. Zu diesem Zeitpunkt war Florian Reichert als Sieger des Brockenlaufs schon im Ziel.

Es wird hart

Leider bewahrheiteten sich bergab meine Befürchtungen. Fünf Kilometer lang wurde ich von Seitenstichen begleitet, so dass ich ziemlich das Tempo rausnehmen musste. Eigentlich wäre ich wirklich gern losgesaust, aber das ging einfach nicht.
Und als die Seitenstechen dann vorbei gingen, kam auf den letzten 5 Kilometern der berüchtigte Einbruch. Verpflegt hatte ich mich unterwegs – bis auf ein Apfelstück – nur mit Wasser, Iso, Cola und Tee. Meine Beine streikten und ich verlor weiter an Tempo. Echt schade!

Mit viel Willenskraft sowie einer Abwechslung aus Laufen und Gehen erreichte ich dann nach 3:08 h als 58. Frau das Ziel. Glücklich, angekommen zu sein!

Nach dem Ziel belebte ich mit einer Dusche, einem Isogetränk und einer Massage meinen Kreislauf wieder, der sich kurz nach dem Ziel fast verabschiedet hatte. Davon abgesehen ging es mir aber eigentlich ganz gut, so dass ich zwar erschöpft, aber gut gelaunt nach Hause zu meinem Sofa fuhr. Nach einem verdienten Schlaf und einer veganen Pizza war ich wieder bester Laune.

Eine lehrreiche Erfahrung

Trotzdem bleibt der Brockenlauf eine extreme und echt harte Erfahrung. Eine gute Planung und Renneinteilung sind essentiell. Für den Marathon kann ich daraus aber nur lernen. Und vielleicht komme ich nächstes Jahr wieder, dann aber gut erholt und als Saisonhöhepunkt.

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6 Responses

  1. StefanThi
    | Antworten

    Schön geschrieben. Mitten in der Marathonvorbereitung ist das eine tolle Leistung. Und du wirst Berlin bestimmt rocken. Werde mich wohl auch mal zum Brocken begeben.

    • Mietze
      | Antworten

      berichte doch mal wie es dir auf dem Brocken ergangen ist!:-)

    • stadtpoetin
      | Antworten

      Danke Stefan, und vielleicht bald mal zusammen im Harz? 🙂

  2. Thomas
    | Antworten

    Ein wahrer Sainsonhöhepunkt – sogar im wörtlichen Sinne 😉

    Echt ’ne super Leistung (und schön geschrieben übrigens)! Da scheinen doch für den kommenden Marathon alle Zeichen auf Erfolg zu stehen! 😀

    • Mietze
      | Antworten

      Der Bericht von Stadtpoetins Marathon wird auch bald auf dem Blog erscheinen, dann kannst du direkt nachlesen wie es ihr erging:-)

    • stadtpoetin
      | Antworten

      Danke schön, ist schon einmalig. 🙂

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