Dein 1. Marathon – Allein oder in der Gruppe trainieren?

eingetragen in: Blog, Dein erster Marathon | 2

Die Zeit verfliegt und schon sind wir beim 7. Teil meiner Postreihe zum Thema Dein 1. Marathon. Heute geht’s um das Training im Allgemeinen und vor allem darum, ob es alleine oder in einer Gruppe mehr Sinn macht.

Laufen macht Spaß, ob in der Gruppe oder allein. Je nach Trainingsziel kann es Sinn machen sich einer größeren Gruppe anzuschließen oder für sich selbst zu trainieren. Doch schauen wir uns verschiedene Trainingseinheiten einzeln an!

Long Runs

Da Long Runs gemächlich gelaufen werden sollen, dauern sie meist ewig. Da bist du gut und gerne 2.5h und mehr unterwegs. Das ist viel Zeit und nicht immer steht einem der Sinn nach Musik oder Hörbüchern. Gesellschaft ist da Gold wert. Daher empfiehlt es sich bei den langen Einheiten Begleitung dabei zu haben. Oft laufe ich erst ein paar Kilometer allein um dann die letzten Kilometer mit Freundinnen zu laufen. Am Anfang bist du ja sowieso noch entspannt, aber am Ende wo es schwer wird, ist Unterstützung klasse. Wichtig ist, dass du die Laufpartner auch nach dem Tempo aussuchst. Ist er zu schnell, wirst auch du automatisch schneller laufen und gerade das solltest du vermeiden, denn beim Long Run gilt: Lang und langsam.

Andererseits sind die Long die Zeit deines Tages, die du für dich hast. Du kanns dich auf dich konzentrieren und deinen Gedanken nachhängen. Die besten Pläne entstehen meiner Erfahrung nach auf Long Runs.

Tempotraining

Beim Tempotraining solltest du etwas auf die Tube drücken und deinen Komfortbereich verlassen. Das geht im Team definitiv einfacher als alleine. Hier bietet es sich an mit einer etwas schnelleren Person zu trainieren, die einen durch die verschiedenen Abschnitte des Trainings ziehen kann. Aber auch andersrum macht es viel Spaß der schnellere zu sein! Bei Tempodauerläufen bieten sich auch die Zusammenarbeit mit einem anderen Läufer an, aber auch hier muss man aufpassen nicht zu schnell loszuflitzen. Aufgrund der fehlenden Regenerationspausen, kann man das hier nur schwer ausgleichen.

Techniktraining

Beim Techniktraining eignet sich weniger eine direkte Begleitung, als eine gute Betreuung um das beste Ergebnis zu erzielen. Perfekt ist hier direkt angeleitetes Training Personal Training. Da das für die meisten nicht möglich ist, empfiehlt es sich die Angebote von Lauftreffs und Vereinen zu nutzen. Hier sind erfahrene Trainer angestellt, die einem wichtige Hinweise geben können. Bei einem Techniktraining sollte man sich auf jeden Fall auf sich selbst konzentrieren.

Easy Runs

Ein oder zwei Easy Runs unter der Woche gehören zu den meisten Standardtrainingsplänen. Das ist die Zeit zum Quatschen und Spaß haben. Laufe in deinem Wolfühltempo und genieße die Gesellschaft anderer.

Ob Sarah und Stadtpoetin lieber allein oder mit anderen trainieren erfährst du hier

Als ich mit dem Laufen begonnen habe, kam ich mir wahnsinnig langsam vor. War ich ja irgendwie auch. Es hat fast 2 Monate gedauert, bis ich 5 Kilometer am Stück laufen konnte. Und weil ich mir so langsam vorkam, habe ich mich nicht getraut, mit 449708_224368066_Mediumanderen zu laufen. Ich wollte nicht, dass sie auf mich warten müssen.

Also hat es einige Wettkämpfe und ein halbes Jahr gedauert, bis ich mal zu einer Laufgruppe dazu gestoßen bin. Allein fiel es mir schwer, mich jedes Mal zu motivieren. Und ich wollte auch andere Strecken kennen lernen – nur leider ist mein Orientierungssinn furchtbar. Ich verlaufe mich total schnell, selbst wenn ich mir vorher die Strecken ganz genau auf der Karte anschaue.

Erste Erfahrungen mit der Gruppe

Ich glaube, mein erster Lauf in einer Gruppe fand dann am 3. Oktober mit der LG Mauerweg statt, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung. Die meisten von der LG sind Ultraläufer oder Ultraläuferinnen, aber an dem Tag sollte die Berliner Mauer von zwei Gruppen mit verschiedenen Startpunkten abgelaufen werden. Das Ziel war das Brandenburger Tor. Eine coole Idee! Und am Ende war ich das erste Mal 15 Kilometer gelaufen – und das in einer Gruppe.

Danach bin ich dann hin und wieder zu einer Gruppe des Nike Run Club in Steglitz gegangen. Oder auch zu den anderen von Nike organisierten Läufen. Auch da dachte ich wieder, ich sei zu langsam. Doch die Sorge war unbegründet, denn durch die Einteilung in verschiedene Pace-Gruppen konnte ich mithalten. Mittlerweile würde ich aber sagen, dass der Nike Run Club schon ziemlich ambitioniert ist und nicht unbedingt etwas für alle Laufbegeisterten. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung, von Jan Fitschen angefeuert zu werden! 😀

Soziales Laufen in der Kleinstadt

In Braunschweig habe ich nun eher ein „Laufnetzwerk“, was sich über die sozialen Medien entwickelt hat. Meine Arbeitszeiten machen es ziemlich kompliziert, feste Zeiten einzuhalten, so dass ich mich eher spontan verabrede. Wenn alles klappt, laufe ich etwa einmal in der Woche mit einer anderen Person. Es ist aber gar nicht so einfach, Menschen zu finden, die eine ähnliche Einstellung zum Laufen haben (und das gleiche Tempo). Sehr häufig laufe ich mit einem schnelleren Mann – mit der Konsequenz, dass das Training für mich zu einem Tempodauerlauf wird. Spaß macht es aber trotzdem!

Überhaupt werde ich ehrgeiziger, wenn ich in Gruppen laufe. Ich mache weniger Pausen und ziehe häufiger das Tempo an. Mir wird auch nicht so schnell langweilig – ich merke gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Natürlich quatschen wir auch viel. So ist es auch in meiner festen Bouldergruppe, wir quatschen manchmal mehr als zu trainieren.

Weil meine Motivation steigt, wenn ich mit anderen trainiere, würde ich gern noch mehr Laufeinheiten in Gruppen absolvieren. Und mit Frauen! Schade, dass es in Braunschweig noch keinen Run Club gibt. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich das ja noch.

13301458_989350704447159_16044645532486543_oEine Tatsache, die ich am Laufen so unglaublich toll finde (neben drölfmillionen anderen Tatsachen) ist, dass Laufen eine Sportart ist, die man sowohl alleine, als auch in einer Gruppe mit nahezu unbegrenzter Teilnehmerzahl ausführen kann. Das war „damals“, als ich auf der Suche nach einer Sportart für mich war mitunter ein wichtiger Punkt, da sich mein Leben und meine Lebensumstände laufend (oh, Wortwitz!) verändern und ich daher natürlich mit Dingen, die ich flexibel in meinem Leben unterbringen kann, auf Dauer besser klar komme.
Übt man einen Mannschaftssport aus, ist es nahezu unmöglich, alleine etwas zu tun bzw. sind natürlich auch zeitliche Abstimmungen für ein gemeinsames Training unabdingbar und wichtig. Das ist sehr verpflichtend und führt dann eventuell auch zu einem gewissen Druck. Andererseits weiß man aber auch, dass es nunmal fixe Termine gibt, die dann für alles andere geblockt sind und an denen man auch teilnimmt und die Hemmschwelle, dann am Ende doch nicht aufzutauchen ist viel höher, als wenn man nur so für sich alleine rumsportelt.

Einsamer Beginn

Meine Laufanfänge waren komplett alleine. Zum Einen, weil es einfach zeitlich für mich so am besten realisierbar war und zum Anderen, weil ich mir auch nicht vorstellen konnte, mit jemandem anderen zu laufen, da ja jeder ein anderes Tempo hat. Außerdem hätte ich ja eh keine Luft, mich zu unterhalten und was soll man denn dann so schweigend nebeneinander her traben? Da höre ich doch lieber meine Musik. So waren meine Gedankengänge.

Selbst, als ich dann angefangen habe an Volksläufen teilzunehmen und dann ja plötzlich in sehr großen Gruppen unterwegs war, bin ich ja im Grunde doch immer für mich alleine gelaufen und hatte auch keinen so wirklichen Kontakt in die Läuferwelt außerhalb von sozialen Netzwerken.

RunClubs

Das hat sich dann nach knapp 1 Jahr Laufen geändert, denn da bin ich dann zum ersten Mal zu einer Session vom Nike+ Running Club gegangen. Ich hatte, ebenfalls über soziale Netzwerke mitbekommen, dass es da einen Laufclub in Berlin gibt, bei dem man mitlaufen kann und das aber ohne Vereinsverpflichtung ist und man einfach so teilnimmt, wie man Lust und Zeit hat und nicht eben erwartet wird, dass man jede Woche da ist oder an bestimmten offiziellen Läufen teilnimmt. Das hörte sich gut an.

Und so stand ich dann im letzten Winter, etwas nervös im Nike Store zwischen all den anderen, die sich natürlich größtenteils alle kannten und sich freudig begrüßten und alle guter Dinge waren. Obwohl ich niemanden kannte, fand ich die Stimmung angenehm und ich kam mir auch nicht wie ein Außenseiter vor. Und so bin ich ab da dann regelmäßig mit dem NRC mitgelaufen und tue das aktuell auch immer noch und für mich ist das ein guter Ausgleich zu meinen Läufen, die ich sonst alleine mache. Seit Frühjahr 2016 gibt es ja in Berlin auch den Run Club Berlin, der von Runners Point geleitet wird, und da bin ich nun auch regelmäßig dabei und habe auch da sehr viel Spaß in der Gruppe.

Wieso ich doch noch alleine laufe

Trotzdem muss ich auch sagen, dass ich nicht nur ausschließlich mit anderen oder in der Gruppe laufen wollen würde. Ich hab Spaß daran und schätze das Miteinander. Aber ich genieße auch die Läufe, in denen ich alleine laufe. Ich kann meine Strecken und mein Tempo ganz individuell an mich anpassen, kann anhalten, wenn ich das möchte und Pausen machen, oder eben nicht. Grade auch die langen Läufe mag ich ganz gerne und es macht mir auch nichts aus, diese alleine zu laufen, auch wenn ich quasi nen halben Tag unterwegs bin dafür. Ich laufe, wenn ich alleine laufe immer mit Musik. In letzter Zeit bei den langen Laufen auch ab und zu mit Hörbüchern oder Dokumentationen auf dem Ohr. Je nach Lust und Laune. Zusätzlich nutze ich die langen Läufe auch als GA1 Läufe, in denen ich dann das Tempo an meinen Puls anpasse. Wenn ich z.B. in einer Gruppe laufen würde, die ja eher nach festgelegter Pace laufen, könnte das unter Umständen manchmal schwierig werden, was auch mit ein Grund ist, warum ich zumindest jetzt in der Marathonvorbereitung meine langen Läufe auch lieber alleine mache, damit ich eben auch da so laufen kann, wie es für mich gut ist, und mich nicht mitreißen lasse. Wobei ich aber im Frühjahr schon an gemeinsamen Longruns in der Gruppe teilgenommen habe, und ich das bestimmt auch zumindest nach dem Marathontraining mal wieder machen werde, oder sofern es in meinen Plan reinpassen sollte, auch noch währenddessen.

Tempo geht zusammen leichter

Momentan ist es so, dass ich eher die Sessions in der Gruppe mache, zu denen ich mich alleine nicht aufraffen würde. Und das sind welche, bei denen der Fokus weniger auf dem Laufen liegt, als auf Bodyworkout. Hatten wir ja beim letzten Posting, dass Stabitraining und Ausgleichssport eine wichtige Sache istund da ich in dieser Hinsicht eine faule Socke bin, hilft mir da diese Gruppendynamik ungemein und so komme ich, sofern ich nicht krank bin oder wegen wirklich etwas sehr, sehr Wichtigem verhindert, auf meine wöchentlichen 1-2 Einheiten Ausgleichssport bzw. Stabitraining. Ohne die Gruppen, da bin ich ehrlich, wäre das nicht der Fall.

Bevor ich mit meinem Marathontraining angefangen habe, hatte ich auch grade ein paar Wochen zuvor damit begonnen, regelmäßig auch an Speedrun Sessions teilzunehmen, da Intervalle laufen auch eine Sache ist, die man allein meistens nicht so gerne macht, weil man sich dazu antreiben muss, seine Ziele zu erreichen und beißen muss und das ne ganz andere Hausnummer ist, als wenn man eben einfach so seine Abendrunde gemütlich abläuft. Auch da habe ich gemerkt, dass man in der Gruppe viel länger dranbleibt und zäher ist und auch mehr schaffen kann, als alleine.

Manchmal passt es nicht ganz

Seit ich nun mit dem Marathontraining angefangen habe, habe ich nun leider quasi das Problem, dass ich lange Intervalle absolvieren muss, während bei den Gruppenspeedruns in der Regel meistens die kürzeren Distanzen gemacht werden. Da für lange Distanzen (wie eben Halbmarathon oder Marathon) aber lange Intervalle sehr viel mehr Sinn machen, trainiere ich seitdem die Speedruns alleine und ich muss sagen, es ist jedes Mal einfach nur hart, wenn man nur sich, und seine Uhr hat, die durch Vibration verlauten lässt, ob man im Sollbereich ist, oder nicht. Das ist schon nicht ganz so einfach und da fehlt mir die Laufgruppe. Andererseits, nun wo ich schon 6 Wochen Marathontraining hinter mir habe und den ein oder anderen Speedrun, habe ich mich auch etwas daran gewöhnt, es alleine durchzuziehen und der Stolz, nach der Einheit ist immer unermesslich groß. Da bin ich immer ein paar Zentimeter gewachsen während des Laufens und es ruft von der mentalen Seite wohl auch positive Veränderungen in mir hervor, weil ich weiß, dass ich es auch alleine kann. Trotzdem freue ich mich auch wieder auf die Zeit, wo ich planlos laufen und dann wieder für solche Späße im Rudel trainieren kann.

Als derzeitiges Fazit kann ich sagen, dass ich die Mischung aus alleine laufen und in der Gruppe sehr mag. So hab ich Freiraum für mich und trotzdem regelmäßig die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten mein Hobby auszuleben. Ausserdem lernt man sich mit der Zeit untereinander auch kennen und so sind mittlerweile schon echt gute Bekanntschaften und Freundschaften entstanden, die ich auch auf keinen Fall mehr missen möchte.

Alle Beiträge der Reihe zu deinem 1. Marathon findest du hier:

[cycloneslider id=“dein-1-marathon“]
Folge Mietze:

Tierärztin

immerhungrige katzenverliebte fitnessverrückte Weltenbummlerin

2 Responses

  1. Andreas
    | Antworten

    Wie du auch sagst: Gerade bei den langen Läufen ist Begleitung wunderbar. Ich habe bei meinen sehr langen Läufen in den letzten Wochen leider meist auf meine beiden sonstigen Mitläufer verzichten müssen. Wenn man dann mehrere Stunden unterwegs ist, ist das noch einmal eine besondere Herausforderung!

    • Mietze
      | Antworten

      deine langen Läufe sind zur Zeit aber auch sehr sehr lang:D Hast du Musik dabei? Oder ein Hörbuch? Das machts noch erträglicher finde ich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere