Marathondebütantin Stadtpoetin

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Nachdem du letzte Woche schon Sarah kennen gelernt hast, gewährt dir heute Stadtpoetin einen Einblick in ihre Läufervergangenheit.

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Hallo, ich bin Stadtpoetin, ursprünglich aus Berlin und 29 Jahre alt. Seit Frühling 2015 laufe ich. So richtig kann ich das auch noch gar nicht glauben. Zur Schulzeit war ich ein echter Sportmuffel. Ich hatte Angst vor Bällen, blieb bei Mannschaftssportarten als Letzte auf der Bank sitzen, wurde wegen meiner Figur belächelt. Beim Ausdauerlauf habe ich immer geschummelt. Statt den einen Kilometer um den See zu laufen, bin ich einfach gegangen. Oder ich habe die Streckenmarkierungen verschoben.

“Läufer waren mir suspekt”

Gleichzeitig mochte ich aber Bewegung. Schon als Kind bin ich auf Bäume geklettert, habe mich zwei Jahre an Karate versucht. Schwimmen habe ich mit fünf Jahren selbst gelernt, ich war eine richtige Wasserratte. Und ich konnte stundenlang wandern gehen. Erst zum Ende der Schulzeit habe ich langsam wieder mit Sport begonnen. Im Studium waren Krafttraining und Schwimmen meine Begleiter. Daneben habe ich aber auch ganz viel anderes über den Unisport ausprobiert: Tanzen, Eiskunstlaufen, Fechten. Nur das Laufen, das lag mir nicht. Wenn Freunde mich zum Laufen mitnehmen wollten, waren mir selbst zwei Kilometer schon viel zu viel. Im Fitnessstudio habe ich das Warm-Up und das Cool-Down einfach übersprungen. Menschen mit dem Laufvirus waren mit absolut suspekt. Überhaupt Menschen, die Sport mit einem gewissen Leistungsantrieb verfolgten.
Dann begann ich zu arbeiten. Und ich hatte Lust, wieder Sport zu machen. Ich ging hin und wieder schwimmen, besuchte einen Tango-Kurs. Und außerdem lernte ich das Bouldern kennen und lieben. Aber das reichte mir nicht. Ich suchte einen Sport, bei dem ich nicht erst durch die halbe Stadt fahren musste. Einen Sport, der einfach in meinen Alltag integriert werden und den ich zu jeder Zeit betreiben konnte. Tja, und so versuchte ich es doch noch mal mit dem Laufen.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen449708_224368066_Medium

Nach meinen ersten zaghaften Versuchen im Februar 2015, die eher im Desaster endeten, begann ich mit einem Einsteiger-Trainingsplan. 30 Minuten laufen in 6 Wochen. Das hörte sich gut an. Immer Laufen und Gehen abwechselnd. Das bekam ich hin. Und tatsächlich: Nach 6 Wochen lief ich 30 Minuten, also etwa 5 Kilometer. Wow, so ging das also!
Freunde überzeugten mich, im Juni beim Nike Women’s 10km Lauf mitzumachen. Ich hatte jetzt ein Ziel. 10 Kilometer! Mit einem neuen Trainingsplan ging ich in die Vorbereitung. Aber um nicht zu lügen: Die ersten zwei, drei Monate meines Laufstarts waren wahnsinnig anstrengend. Durch Heuschnupfen und Hitze bin ich im Frühling eh’ schon nicht so fit, dazu kam noch das Training. Drei Mal in der Woche ging es raus auf die Straße oder in den Park. Parallel dazu ging ich zu Yoga, zur Boulderhalle oder zum Schwimmen. Und ich blieb dran. Auch wenn ich nach dem Lauf wie ein Streichholz aussah, Niesattacken bekam oder Kopfschmerzen hatte – ich hielt durch. Denn nach dem Training fühlte ich mich einfach nur gut, irgendwie ganz entspannt und leer im Kopf. Das war großartig.
Und es wurde von Training zu Training leichter. Ich besorgte mir richtige Laufschuhe und las ganz viel zum Laufen. Den Nike Women’s 10km lief ich in 56 Minuten. Also konnte ich es doch irgendwie! Ich ging bei fünf weiteren Volksläufen von 5-10 Kilometer an den Start, absolvierte den Viertelmarathon im August in 55:07 Minuten. Und ich merkte: Eigentlich geht das mit dem Laufen doch ganz gut. Selbst das regelmäßige Training störte mich nicht, sondern wurde zunehmend leichter.

Marathon – Oh je

Im Herbst beschloss ich dann, den Halbmarathon in Berlin zu laufen. Und einfach so warf ich spontan meinen Namen in den Lostopf für den Berlin Marathon. Ich dachte, ich werde da eh’ nicht gezogen. Doch dann kam es, wie es kommen musste: Im Dezember erhielt ich die Zusage für Berlin. Und so wird es nun also ernst!
Im Winter zog mich mein Beruf nach Braunschweig. Seitdem trainiere ich hier und es haben sich – für mich – ganz ungeahnte Möglichkeiten aufgetan. Parallel zum Halbmarathontraining entdeckte ich das Laufen in den Wäldern und Bergen, also im Harz. Es ist wirklich großartig, der Natur so nah zu sein. In Braunschweig gibt es leider den Nike Run Club nicht, mit dem ich in Berlin trainiert habe, aber auch hier in Braunschweig lerne ich immer wieder neue tolle Menschen kennen, mit denen man die Gegend erkunden und gemeinsam Sport treiben kann.
Den Berliner Halbmarathon im April habe ich dank großartigem Support mit 1:51:28 beendet. Da war ich wirklich Stolz auf mich! Der Marathon wird natürlich noch einmal viel anstrengender und herausfordernder. Mein Ziel ist es, bei meinem ersten Marathon, gesund, verletzungsfrei und fröhlich anzukommen. Dafür trainiere ich.
Gleichzeitig merke ich jetzt schon, dass der Marathon nur eine Etappe sein wird. Ähnlich wie Sarah spüre ich das Kribbeln, wenn ich Trail oder Ultra höre. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es für mich nach dem Marathon weitergehen wird.

Viel Erfolg auf dem Weg zu deinem ersten Marathon!

Alle Beiträge der Reihe zu deinem 1. Marathon findest du hier:

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