Vom Marathonlaufen war niemals die Rede….

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Sarah ist eine von den zwei Teilnehmern, die ich auf dem Weg zu ihrem ersten Marathon in Berlin begleite. Ein fleissiges Mitglied des NRC und des Run Clubs Berlin, ist sie regelmäßig bei Veranstaltungen dabei… doch wer steckt nun genau hinter dem mysteriösen Instagramnamen: Choutastic.

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Hallo, ich bin Sarah und habe erst im Herbst 2014 das Laufen für mich entdeckt. Kurz nach meinem 30. Geburtstag. Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einer Sportart, die ich den Winter hindurch flexibel ausführen kann. Nicht an eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Ort gebunden und auch bei jedem Wetter und vor allem auch draussen ausführbar. Und nach dem Auschlussprinzip blieb dann, ihr könnt es euch wohl denken, das Laufen übrig.
Mein allererster Lauf fühlte sich nicht gut an. Ich war das inlineskaten gewohnt. Geschwindigkeit und Fahrtwind. Und nun hatte ich das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen. Warum zum Teufel gibt es so viele Läufer? Die lügen doch, wenn sie sagen, dass das Spaß macht. Darum sehen die meisten nämlich auch immer so ernst aus, wenn man sie sieht. So oder so ähnlich waren die Gedanken, die ich damals dabei hatte. Meine erste Strecke war etwa 3.5 km lang. Ich war mir nicht sicher, ob ich sie auch wieder zurückschaffe, und hab mich auf einen sehr langen Heimweg eingestellt. Irgendwann sah ich dann den Wendepunkt und die dazugehörige Bank. Ich war komplett nassgeschwitzt und ließ mich auf die Bank fallen. Es dämmerte schon. Ich war fix und alle. Aber dann plötzlich total stolz und sogar ein Lächeln verirrte sich auf mein Gesicht. Vielleicht macht ja Laufen wirklich kein Spaß BEIM laufen. Aber so danach, das ist schon nicht schlecht. Ich glaube nach 30 min Pause wagte ich mich an den Rückweg. Eigentlich war geplant, dass ich gehe. Aber ich überlegte, wie lange ich für diese 3.5km brauchen würde, wenn ich gehe und als ich eine Antwort im Kopf dazu hatte, war mein Ehrgeiz gepackt, wenigstens zu versuchen, einen Teil wieder zurückzulaufen. Letztlich habe ich es wirklich komplett zurückgeschafft, war dann richtig klitschnass geschwitzt (weil natürlich viel zu warm angezogen) aber stolz wie Bolle …. und seit diesem Tag, bin ich einfach weitergelaufen.

Der erste Volkslauf

Anfangs nur Sonntags. Das war mein Lauftag und ich hab begonnen, mich auf diesen einen Tag in der Woche zu freuen. Ich kundschaftete Laufstrecken aus und lernte meinen Kiez noch einmal komplett neu kennen. Ich

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kam an Orte, von deren Existenz ich Jahrelang keine Ahnung hatte, obwohl sie nur einen Katzensprung von meiner Wohnung entfernt sind. Um mich selbst zu motivieren, hab ich meine Läufe bildlich dokumentiert und in sozialen Medien hochgeladen. So kam es, dass ich dann im Januar 2015 schon recht spontan zu meinem ersten offiziellen Lauf kam. Als Mitglied einer 4er Gruppe beim Pankower Pfannkuchenlauf. 6.5km galt es zu schaffen. Als Belohnung winkte im Ziel ein Pfannkuchen und natürlich eine großer Portion Stolz. Obwohl ich schon nach der 1 Runde überlegte, dass es eine ganz doofe Idee gewesen ist, mitzumachen, hielt ich durch und ab da hatte ich auch Gefallen an Volksläufen gefunden. Ich bin von 1 Lauftag in der Woche erst auf 2, dann auf 3 Tage hoch, habe meine Distanzen weiter ausgebaut und angefangen über Facebook und Instagram andere Läufer kennen zu lernen. In meinem damaligen Freundeskreis gab es keine Läufer und was anfangs noch mit „oh, toll!“ und „super“ kommentiert wurde, fand bald keine Beachtung mehr. Was aber nicht schlimm war, denn wie bereits erwähnt, habe ich dann über soziale Netzwerke nach und nach Kontakt zu anderen Läufern gefunden und mich in einer unglaublich tollen internationalen Laufcommunity wiedergefunden.

Ich bin kein schneller Läufer und habe auch schnell festgestellt, dass es die längeren Distanzen sind, die mich reizen. Da ich nur draussen laufe und mich dadurch ja auch wirklich fortbewege und nicht nur auf eine Displayanzeige eines Laufbands schaue, war es mir schon von Anfang an wichtig, dass meine Strecken so verlaufen, dass ich viel Natur habe, dass die Strecken sich unterscheiden in Länge und Beschaffenheit. Ich fand tolle Strecken, der Haken war aber, dass man dazu auch in der Lage sein musste, eine bestimmte Distanz laufen zu können. Da ich aber nunmal dann diese Strecken laufen wollte, war es für mich eine Motivation, mich an die Distanzen heranzutasten. Wenn nötig eben auch mit vielen Pausen. Egal.

Das Ziel steht fest!

Ich hab letztes Jahr dann an doch zahlreichen Läufen teilgenommen. Jedes Mal mit einem Kribbeln im Bauch, kurz bevor der Startschuss kam. Ich habe mir Laufzeitschriften gekauft und Berichte über Traillauf entdeckt und bin seitdem total fasziniert davon. Sich die Welt erlaufen. Wie cool ist das denn, bitteschön? Ultralauf. Wow. Das möchte ich auch irgendwann mal machen. Schnelligkeit ist toll, wenn ich mich aber entscheiden müsste, ob ich lieber in der Lage wäre schneller zu laufen, oder weiter, ich würde mich immer für weiter entscheiden. Also war die Idee bzw. der Traum geboren, ich möchte Ultraläuferin werden. Das wird man ja aber natürlich nicht über Nacht. Und vor einem Ultra steht ja erstmal ein Halbmarathon und ein Marathon. Danach kann man ja überlegen, ob man es immer noch so toll findet, sich die Füße platt zu laufen. In meinem Kopf reifte heran, dass ich eventuell 2017 meinen ersten offiziellen Marathon laufen wollen würde. Und 2016 dann eventuell eben mal einen Halbmarathon. Soweit mein Plan.

Und dann kam der Oktober 2015. Der BWM Berlin Marathon stand an und ich war als freiwilliger Helfer dort vor Ort. Klasse Stimmung und toll die Gesichter der Läufer vor und nach dem Lauf zu sehen. Ein Wechselbad der Gefühle. Aber selbst die, die komplett hinüber waren, hatten doch ein Lächeln im Gesicht und diesen Glanz in den Augen. Und ich dachte mir: 2017 rockst du auch den Marathon. Mittlerweile war ich zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön in diese Laufcommunity bei Instagram verwurzelt und natürlich schaut man dann ja auch, was die anderen so treiben. Und kurz nach dem Marathon laß ich auf Insta unter einem Beitrag, dass sich diejenige für einen Startplatz für den Berlin Marathon 2015 beworben hat. In Berlin werden die Plätze nämlich ausgelost, weil es einfach zu viele Menschen gibt, die mitlaufen möchten. Nur die ganz, ganz schnellen Läufer und die, die schon mindestens 10 Mal in Berlin dabei waren haben einen Anspruch auf einen Startplatz. Bei allen anderen entscheidet das Los. Und ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich wollte urplötzlich auch in diesen Lostopf wandern. Dazu sei gesagt, dass ich bei solchen Aktionen nie Glück habe. Und irgendwie dachte ich, wenn ich offiziell eine Absage bekomme für den Marathon, dass ich dann ja das als Anlass nehmen könnte eben, wie geplant, mich auf 2017 vorzubereiten. Nun ja und als Anfang Dezember die Bekanntgabe war, hatte ich doch tatsächlich einen Startplatz für 2015 an der Backe! Auweia, der Startplatz war nun verbindlich auf meinen Namen gebucht und aus einem „erster Marathon eventuell 2017“ wurde ein „Marathon Debut am 25. September 2016“.

Der Arzt gibt das Go!

Ich bin ja natürlich auch schon die ganzen Monate davor gelaufen. Aber seit ich die offizielle Zusage habe, bereite ich mich wirklich auch ernsthaft auf den Marathon vor. Ich war sogar bei einer Leistungsdiagnostik, um mich durchchecken zu lassen, ob mein Körper überhaupt für einen Marathon geeignet ist und mit Herz und Lunge alles in Ordnung ist. Das war es dann auch. Nur die Grundlagenausdauer war nicht optimal. Daher wurden mir lange langsame Dauerläufe „verordnet“, die ich in einem definierten Pulsbereich laufen sollte. Das fiel mir anfangs schwer. Ich habe einen sehr hohen Puls, der bei Bewegung noch schneller in die Höhe geht. Und so war dann mein erster pulsorientierter Lauf im GA1 Bereich eher ein schnelleres walken. Das war echt hart. Aber ich bin dran geblieben und baue diese langsamen Läufe weiterhin regelmäßig in meine Laufroutine ein. Mittlerweile freue ich mich darauf, weil ich nicht auf die Zeit achte und mir „erlaube“, langsam zu laufen, weil ja dann der niedrige Puls wichtig ist. Seit Ende November laufe ich auch regelmäßig beim Nike Running Club mit. Meist zweimal die Woche. Eigentlich hatte ich immer gedacht, dass ich so der Alleinsportler bin und ich mag die Läufe, die ich alleine mache, immer noch total gerne. Aber mittlerweile schätze ich auch das Laufen in Gesellschaft und der Gruppe sehr. Man kann sich prima gegenseitig motivieren und hat auch selbst bei Dauerregen und Bergläufen Spaß zusammen.

Auch mal andere Sachen ausprobieren…

Ich habe zusätzlich zu meinen normalen Laufeinheiten auch angefangen sogenannten Ausgleichssport bzw. Stabitraining zu machen, da ich hin und wieder Probleme mit den Waden und meinem Schienbein habe. Denn als Läufer braucht man, wie ich gemerkt hat nicht nur seine Beine. Auch der Rest des Körpers trägt, im wahrsten Sinn des Wortes, eine wichtige Rolle. Und ich gebe es offen zu, dass ich mich zu diesen Workouts immer ganz arg motivieren muss und das mittlerweile auch glücklicherweise in der Gruppe machen kann. Einmal beim Nike Run Club und neuerdings auch beim Run Club Berlin. Alleine würde ich mich nicht so regelmäßig dazu aufraffen. Auch als Einzelgänger kann man also erkennen, wie wichtig und wertvoll eine Gruppe, ein Team sein kann. Seit ein paar Wochen habe ich nun auch Intervalle regelmäßig in meiner Laufroutine, da es wichtig ist, immer etwas Abwechslung in sein Training zu bringen. Allen, denen ich sage, dass ich total nervös bin und manchmal daran zweifle, dass ich im September wirklich fit bin für den Marathon, die schütteln den Kopf und meinen, dass ich doch total gut vorbereitet bin und das doch locker schaffe. Ich sehe das anders. Ich weiß, dass ich viel dafür tue, aber ich habe einfach auch mega viel Respekt vor meinem ersten Marathon. Oder generell vor dem Laufen. Ich liebe das Laufen, aber man sollte das Laufen ab einem gewissen Umfang auch nicht unterschätzen. Zu oft bekomme ich in meinem Umfeld mit, wie man durchs Laufen auch krank werden kann und Probleme mit den Gelenken, den Muskeln, den Sehnen bekommen kann, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Auch ich habe hin und wieder Probleme, wo ich dann wieder etwas kürzer trete, vermehrt auf Stabitraining setze und mich dann erst wieder steigere, wenn wieder alles in Ordnung und schmerzfrei ist. Natürlich war meine Anmeldung für den Marathon eine spontane Aktion.

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Die direkte Vorbereitung startet

Das Training und die Vorbereitung allerdings nehme ich wirklich sehr ernst und das kann ich auch jedem anderen nur raten, der zumindest noch nie einen Marathon gelaufen ist. Bekannte, die nicht laufen können gar nicht verstehen, wenn ich sage, dass jetzt gar nicht mehr so viel Zeit ist bis zum Marathon. Dann schütteln sie mit dem Kopf und sagen: „Wann ist der nochmal? Ende September? Na da hast du doch noch ewig Zeit!“ Ich weiß nicht, ob ich mich dann aufregen soll, weil es mir so vorkommt, als denken die alle, es ist ein Klacks, einen Marathon zu laufen, weil es ja mittlerweile auch irgendwie hip und trendy ist, zu laufen. Einem Laufclub anzugehören, bei Laufevents teilzunehmen. Manche melden sich für einen Marathon an, wie andere für ein Musikfestival. Das kann ich nicht verstehen. Nur, weil so viele Menschen heutzutage laufen, heißt es doch nicht, dass man mal „so eben“ 42,x km aus dem Hut zaubern kann. Von 0 auf 42 in 12 Wochen. Das mag vielleicht für einen Bruchteil funktionieren. Ich würde das aber niemandem raten. Vielleicht sehe ich das alles auch etwas streng, weil für mich der Marathon kein Endziel ist, sondern nur eine Etappe, oder ein Meilenstein hin zu meinem Traum, im Ultrabereich zu laufen und ich einfach auch große Angst habe, mich durch zu viel Übermut und Selbstüberschätzung zu verletzen und selbst laufunfähig zu machen. Ich wurde schon oft gefragt, ob ich eine Zielzeit habe für den Marathon. Um ehrlich zu sein, schwankt diese Zielzeit und von recht utopischen Zeiten bin ich nun glaube ich da angelangt, wo ich denke, dass es zwar keine Zeit ist, mit der man einen Blumentopf gewinnen kann, aber es ist eine Zeit, die dann eben für mich persönlich okay ist. Ich möchte mich nicht unbedingt als letzte, direkt vor dem Besenwagen ins Ziel schleppen. Aber ich möchte auch nicht im Ziel zusammenklappen, weil ich total übertrieben habe. Mein Wunsch ist es, am 25. September 2016 die Ziellinie schmerzfrei und mit einem Lächeln im Gesicht zu überqueren. In einer Woche habe ich ein Gespräch, bei dem ich mir einen individuellen Trainingsplan für die heiße Phase erstellen lassen möchte. Damit sich mein Wunsch vom lächelnden Zieleinlauf hoffentlich dann erfüllt.

Ich wünsche Sarah alles Gute auf dem Weg zu ihrem ersten Marathon. Regelmäßige Updates bekommt ihr hier bei Boost the Mietz:-)

Alle bisherigen Beiträge der Reihe zu deinem 1. Marathon findest du hier:

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