Wettkampfambitionen vs Spaßlaufen vs eigene Überschätzung?

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2 Wochen vor dem Berliner Halbmarathon 2015 schrieb eine Bekannte folgenden Status in ihre Timeline: 14km in 8er Pace….Ich habe Angst vor dem Halbmarathon in 2 Wochen.

Viele ihrer Freunde kommentierten aufmunternd und meinten sie schafft es schon, es wären ja nur 7km mehr. Ich war die einzige die schrieb….7km in 8er Pace sollte sie doch bitte nicht unterschätzen, denn dann ist sie ja noch mal fast eine Stunde länger unterwegs als jetzt.

Wahrheit tut weh

Natürlich kam sofort heftige Kritik zu meiner Aussage….die Frage ist nur…is das so falsch? Ist es falsch als „erfahrener“ Läufer seine Meinung weiter zu geben um andere eventuell vor den Fehlern zu bewahren, die man selbst gemacht hat.

Ich hätte ihr nie gesagt, dass sie nicht laufen soll, denn ich finde schon wer 14km schafft und ankommen will, kommt auch an. Trainingstechnisch ist das wohl aber nicht das sinnvollste und wäre ich ihre Trainerin, hätte ich ihr empfohlen mit dem HM zu warten und erstmal auf den Unterdistanzen zu bleiben.
Nur dadurch ist wieder die zweite Frage im Raum….warum einen Wettkampf laufen, wenn man ihn ja doch nicht als richtigen Wettkampf läuft, sondern nur auf Ankommen?
Diese Frage stellte sich mir vorher nie. Für mich war dabei sein alles und ich hatte Spaß dabei. Inzwischen habe ich diese kritische Stimme von anderen aber immer öfter vernommen und würde diese Frage gern zur Diskussion frei geben.
Es ist mir lieber wenn jemand probiert eine PB aufzustellen, auch wenn dieser langsam ist, als wenn jemand einfach nur mit läuft um dabei zu sein. Das ist ja wie ein verschwendeter Platz und der sollte lieber an Läufer gehen, die an ihre Grenzen gehen möchten!

Ich persönlich empfand diese Aussage als sehr negativ, denn wer bildet sich ein, mir quasi verbieten zu können, wann und wo ich mitlaufen darf und wieso sollte es fuer andere wichtiger sein mitzulaufen, nur weil sie ne PB aufstellen wollen? Wieso ist mein Spaß nicht genauso wichtig wie eine PB von einem anderen Läufer?

Anderseits muss ich auch sagen, dass es mir inzwischen schwer fällt in den Wettkampfmodus umzuschalten. Ich bin 2014 im Training eine PB nach der anderen gelaufen und konnte das gelernte im Wettkampf nie abrufen…Es sei dahingestellt, ob es am falschen Training oder an meiner mentalen Einstellung lag, doch die Frage bleibt schon ob man Wettkämpfe wirklich immer als echten Wettkampf laufen sollte.

Ich weiß, dass ich allgemein recht „faul“ bin. Klar trainiere ich viel, aber eben nur in der Wohlfühlzone und davon wird man eben nicht besser!

Was sagst der sub 3h Läufer dazu?

Rehspeck hat dazu auch eine ziemlich feste Meinung:12825111_10206065003199774_2079717015_n

Fangen wir mit den Facts an: Allein das Wort „Wett-kampf“ definiert für mich eigentlich schon worum es hier geht: Es ist ein Kampf, allerdings eben nicht wie viele oft fälschlicherweise annehmen gegen die anderen Starter, sonder primär gegen sich selber. Und ja, ich habe auch Spaß bei einem Wettkampf – aber dennoch ist es mein Hauptziel mich zu verbessern d.h. auch schneller zu werden. Dafür trainiere ich, dafür opfere ich einige Stunden (im Marathontraining wie gerade im Schnitt 10h die Woche) um meine Ziele zu erreichen.
Ein Bekannter und nochmals weit schneller Läufer als ich hat in einer längeren Twitter Konversation mal den emblematischen Satz gesagt „Wettkampf bedeutet Vollgas. Immer!“. Dieser Maxime folge ich genauso, wenn ich antrete gibt es nur all-in – keine Schonung.
Einen Wettkampf nur laufen um dabei zu sein? Einen Wettkampf beispielsweise gewollt 30min langsamer laufen, als ich eigentlich drauf hätte, weil man die Strecke genießen will – Das ist für mich einfach undenkbar. Wenn ich „gemütlich“ laufen will, kann ich auch zuhause bleiben und dort laufen. Und ich nehme bei schnell ausverkauften Veranstaltungen (z.B. dem Berlin Marathon) einem anderen, motivierteren Läufer den Startplatz nicht weg. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber ich finde es einfach schade, wenn man sein Potential nicht abrufen will, im Gegensatz dazu es zu versuchen und nicht abrufen zu können.
Was sagt ihr dazu? Sollte man Wettkämpfe wirklich nur als Wettkämpfe laufen, oder sagt ihr diese gar ab, wenn absehbar ist, dass ihr nicht euer Potential ausschöpfen könnt?

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22 Responses

  1. Sarah
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    Ich war gestern beim Berliner Halbmarathon dabei. Es war das erste Mal für mich ohne Zielzeit und „Wettkampfsvorbereitung“, ich bin mit einer Freundin gelaufen und es war ihr erster rightigen Halbmarathon. Wir haben beide dafür trainiert aber nicht total zielstrebig und es war gestern so schön einfach zu laufen und die ganze Veranstaltung zu genießen ohne Stress. Ich will auch in diesem Jahr noch einen Halbmarathon „auf Zeit“ laufen, aber ich glaube es tut auch gut ab und zu mal einen Lauf zu machen, die man entspannt genießen kann!

    • Mietze
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      ich geb dir da so Recht. Ich glaube auch, dass es das ist was viele Läufe zu etwas Besonderem macht. Eben diejenigen die entspannt und mit Freude durchlaufen!

  2. […] außerdem noch über den Sinn von Challenges ausgelassen, was im Nachhinein ganz gut zu Mietzes Beitrag gepasst hat. Sie philosophiert über Spaßlaufen und Wettkampflaufen. Meine Meinung dazu ist ja im […]

  3. […] » Und die Mietze philosophiert über Wettkampfambitionen vs Spaßlaufen vs eigene Überschätzung? […]

  4. Daniel
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    Einen „Genuß“ Wettkampf gibt es nicht wirklich für mich … auf jeden Fall nicht auf der Straße. Auf dem Trail ist das schwieriger, dort geht es vorne auch schnell zu, aber der Wettkampf mit einem selbst steht letztlich viel mehr im Mittelpunkt, weil die Vorbereitung nicht so einfach zu vergleichen ist. Wer eben Flachlandtiroler ist geht ggf. bei 2.000HM fast ein, obwohl er eine Stunde länger braucht als der Mittelgebirgsbewohner.

    Auf der Straße laufe ich um schnell zu sein. Ich gehe an den Start, ich lasse mich vom Endorphin mitreissen, ich nutze andere als Pacer und ich will schnell sein. Allerdings würde ich nicht so weit gehen und den Genussläufern den Startplatz „verbieten“ zu wollen. Wer langsamer als ich ist, läuft sowieso hinter mir … wer auf Genuss schneller läuft als ich … mit dem will ich mich eh nicht messen.

    Sowieso bin ich der Meinung, dass wir im Hobbysport nicht noch mehr Regeln brauchen … egal ob explizit oder indirekt. Es braucht keine Regeln für Wettkampfteilnahmen.

    • Mietze
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      wie schön du das geschrieben hast. Genau jeder sollte machen und sich nicht um die anderen scheren!

  5. Eric
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    Genau vor diesem „Problem“ stehe ich an diesem Wochenende und ich habe mich für den Wettkampf entschieden, obwohl ich weiß das ich Minuten hinter meinen Möglichkeiten bleiben werde. Ich werde nicht Vollgas laufen und mache das bewusst nicht. Warum gehe ich trotzdem an den Start? Weil diese 5 km am Sonntag mehr sind als ein Wettkampf. Sie sind nach der langen Verletzungspause eine Wohltat. Für mich bedeuten sie den Wiedereinstieg und den werde ich am Sonntag im Wettkampf feiern. 🙂

    • Mietze
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      Wie war denn dein Wettkampf? Ich hoffe erfolgreich! Du hast genau die richtige Einstellung wie ich finde!

  6. Also ich musste timingbedingt schon einige Läufe absichtlich langsam laufen, weil andere Events die mir wichtiger waren zu nah lagen. Dadurch habe ich einige der schönsten Läufe gemacht, weil man eben nicht total erschöpft im Ziel ankommt, sondern locker und entspannt laufen kann.

    • Mietze
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      ja, das ist natürlich ein sehr guter Vorteil. Ich finde das ist einfach eine ganz andere Art von Genuss

  7. Maudi
    | Antworten

    Ich bin der Meinung, das jeder da machen kann was er will, ob nun Bestzeit, Hasen spielen oder einfach nur zum Spaß. Nicht jeder will immer ans Limit gehen. Wenn ich irgendwann mal im Ausland laufe, dann will ich das genießen. Meiner Meinung nach fehlt mir ja was, wenn ich z.B. durch eine Stadt sprinte, die ich nicht kenne und nichts mitbekommen. Dann lieber ruhiger
    Wir sind halt leider eine Leistungsgesellschaft, das solche Aussagen „Dann nimmt der mir mein Platz weg“ fallen. Einfach früher anmelden oder Losglück haben. Gleiches Recht für alle.

    • Mietze
      | Antworten

      Jap ich kann deine Meinung genauso unterschreiben. Soll einfach jeder tun, was er will. Ich finde ans Limit gehen echt anstrengend und irgendwie muss ich das nicht bei jedem Lauf haben. Manche lauf ich eben nur wegen der schönen Strecke oder der Medaille mit:-)

  8. Frederic Biermann
    | Antworten

    Ich habe schon an einigen Veranstaltungen teilgenommen, bei denen ich andere gezogen habe. Ich bin da also nicht am Limit gelaufen und es war ok.
    Auch hatte ich schon Wochenenden mit mehreren Wettkämpfen. Da bin ich dann einen auf PB gelaufen und den anderen locker und hab nur die Veranstaltung genossen. Ich denke das ist vollkommen ok.

    Abgesehen von Berlin vielleicht, hat jeder Läufer die selben Chancen sich für eine Veranstaltung anzumelden. Also ist es Quatsch einen Platz zu belegen, den ein anderer „mehr verdient“. Außerdem: wie definierst du das? Verdient es jemand mehr, der mit 2 Std. PB auf dem Halbmarathon läuft, als ich, der den Halbmarathon locker mitläuft und trotzdem deutlich schneller bin?

    Ich finde es vollkommen in Ordnung auch einen Lauf locker zu laufen.

    • Mietze
      | Antworten

      Ich definiere das gar nicht, denn diese Aussage stammt ja nicht von mir. Ich sehe das persönlich ganz entspannt. Soll jeder laufen wie er will und mag. So lange man keinen anderen behindert ist alles gut. Bei restriktiven Läufen gilt eben wer zuerst da ist, bekommt den Platz und der andere schaut in die Röhre. 🙂

  9. Carsten
    | Antworten

    Kampf? Für deine Freundin ist es ein Kampf 7km mehr zu laufen um den HM ins Ziel zu bringen. Für andere ist es ein Kampf mit so vielen Menschen auf einer Strecke zu laufen. Ich denke nicht, dass es mir zusteht darüber zu urteilen warum jemand an einer Veranstaltung teilnimmt.

    Und damit bin ich beim eigentlichen Punkt. Die meisten nehmen nicht an einem Wettkampf teil, sondern an einer Veranstaltung. Wir bezahlen Geld dafür, auf abgesperrten Strecken unserem Hobby nachzugehen. Es ist nichts weiter als ein Dienstleistungsverhältnis. Es mag sein, dass einige Amateursportler das hin und wieder ausblenden. Wenn alles immer reinen Wetkampfcharakter hat, dann stellen sich nämlich auch ganz andere Fragen. Warum brauchen Amateurläufer keine Startlizenzen/Zulassung, wie beim Fussball, Boxen usw.

    Anders verhält es sich für mich, wenn ein Sportler Geld für seinen Start erhält. Dann kann ich erwarten, dass er sein bestes gibt.

    • Mietze
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      Das ist eine sehr schöne Darstellung mit der Veranstaltungsteilnahme. So sehe ich das auch. Es ist ein Hobby, wir zahlen Geld dafür und wollen zu einem gewissen Teil Spaß haben und die Atmosphäre geniessen. Für mich gehört eine Bestzeit oder ein Lauf am Limit nicht unbedingt dazu. Für viele andere aber wohl schon.
      Für mich bleibt es ein Hobby das Spaß machen soll und ständig am Limit zu laufen ist schon sehr anstrengend und nimmt mir die Freude daran.

  10. Laufwelt
    | Antworten

    Ich bin der Meinung – jeder, wie er mag! Hauptsache man schadet seinem Körper damit nicht – also zum Beispiel Marathon ohne genügend Training! Aber ansonsten laufe ich Wettkämpfe sehr oft einfach so aus Spaß an der Freude. Aber ich bin auch schon einige gelaufen, um neue Bestzeiten aufzustellen.

    • Mietze
      | Antworten

      jap ein Marathon ist da wirklich nochmal eine andere Kategorie. Da bin ich ganz deiner Meinung. Aber auch hier starten wohl genügend ohne das gewisse Training…:-/

  11. Sven
    | Antworten

    Verletzungsbedingt konnte ich für den HM Marathon dieses Jahr in Berlin leider nicht trainieren und werde auf jedenfall nicht auf PB laufen sondern den Lauf genießen und ich habe absolut kein Problem damit.
    Ich finde gerade bei großen Läufen wie in Berlin kann man einfach auch mal die Atmosphäre genießen wenn man nicht gerade top Fit ist.

    • Mietze
      | Antworten

      Aber du wirst ja sicher durchkommen, weil deine Basis gut genug ist, nicht wahr? 🙂

      • Sven
        | Antworten

        Ich bin selber gespannt wie es läuft da ich seit Anfang Januar nur noch kurze Läufe (max. 10km) gelaufen bin. Ich vertrau da ein bisschen auf meine Grundlagenausdauer 🙂
        Ich hoffe Sie lässt mich nicht im Stich 🙂

        • Mietze
          | Antworten

          hui ich drück dir die Daumen. Aber das wird schon!!!

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