Rehspeck on the road to Boston 2016

eingetragen in: Blog, Running, Wettkämpfe | 5

Boston…da denkt man an die Eliteuni Havard, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die Red Sox mit ihrer legendären Heimstätte des Boston Fenway und nicht zuletzt an den Boston Marathon. Am 18.April 2016 geht das älteste Marathonrennen der Welt und Teil der World Marathon Mayors (mit Chicago, New York, London, Berlin & Tokio) in seine 120. Auflage. Ich bin in der glücklichen Lage dort starten zu dürfen und mir meinen Traum von Boston zu erfüllen. Daher wird es bis dahin ein paar kleine Berichte von meiner Vorbereitung geben und dann natürlich auch etwas vom Rennen.

Der Mythos Boston

Das Wappen der Boston Athletic Association
Das Wappen der Boston Athletic Association

1897, ein Jahr nach den Olympischen Spielen, fand der Boston Marathon zum ersten mal mit 15 Startern statt. Der Sieger benötigte 2:55:10h für die damals noch 37km vom Hopkinton nach Boston. Seitdem hat sich einiges getan. Die Strecke ist seit 1927 offiziell 42,195km lang und der Boston Marathon eines von vier Events (die anderen sind das Pferderennen Kentucky Derby, die Rose Parade in Pasadena und die Hundeausstellung Westminster Kennel Club Dog Show in New York), die auch in den Jahren des 1. und 2. Weltkrieges immer stattfanden.

1967 absolvierte Katherine V. Switzer hier offiziell als erste Frau einen Marathon (Roberta Gibb startete ein Jahr vorher inoffiziell und finishte ebenso) und durchbrach damit eine Barriere. Sie hatte sich als K.V. Switzer angemeldet und keiner der Offiziellen hatte dies bemerkt. Während des Rennens wurde dann mehrmals von der Racedirektion versucht sie zu stoppen. Ihr Freund wehrte aber alle Attacken ab. Diese Aktion war der Startschuss für Frauen bei Marathonrennen: Seit 1972 sind Frauen offiziell startberechtigt.

2011 lief Geoffrey Mutai mit 2:03:02h eine neue Weltrekordzeit in Boston, die ihm aber nicht anerkannt wurde. Der Grund? Boston entspricht aufgrund seines Höhenunterschiedes (siehe unten) und des unterschiedlichen Start und Zieles nicht dem IAAF (International Association of Athletics) Kriterien für einen zertifizierte Weltrekordstrecke. Trotz Proteste der Rennleitung und den Stellungnahmen diversere Läufer wurde Mutai der Weltrekord nicht zugesprochen.

2013 erlebte der Marathon mit 2 Bombenexplosionen im Zielbereich seine schwärzeste Stunde mit 3 Toten und 264 Verletzten . Das Rennen wurde sofort (ca. 4h nach Start) abgebrochen. Der Hashtag #BostonStrong wurde zu einem geflügelten Wort und die Veranstalter mit einer Welle der Solidarität und Anmeldungen für das Folgejahr überschwemmt.

Qualifikation und Besonderheiten in Boston

Die aktuellen Qualifikationszeiten für Boston
Die aktuellen Qualifikationszeiten für Boston

Um in Boston antreten zu können, muss man eine seinem Alter entsprechende Qualifikationszeit bei einem IAAF zertifizierten Marathon erbringen. In meinem Fall passierte dies beim Berlinmarathon 2014, wo ich mit 2:57:14h die 3:05h Grenze für die 18-34jährigen unterbot. Doch nur die Qualizeit zu unterbieten reicht oft leider nicht. Denn in Boston erfolgt die Anmeldung nach dem Kriterium “Die schnellsten zuerst”. Dies bedeutet, dass sich die ersten 2 Tage nur jene anmelden dürfen, die ihre Qualizeit um 20min oder mehr unterboten haben, an Tag 3-4 dann jene mit 10min und mehr und am Tag 5-6 dann jene mit 5 bis 10min darunter. Sollten dann noch Plätze übrig sein, öffnet am Tag 8 die Anmeldung für alle, die die Qualizeit unterboten haben und die 30.000 Gesamtplätze werden so aufgefüllt.

Daher gab es in den letzten Jahren immer einen Cutoff d.h. ein Limit unter der Qualizeit, bis zu der man noch zugelassen wurde. 2014 lag dies bei 98 Sekunden unter der Qualizeit, 2015 bei 62 Sekunden darunter und 2016 gab es mit 144 Sekunden den höchsten Cutoff ever. Dies dürfte am immer größeren Marathon Boom liegen aber natürlich auch an dem Jubiläumsrennen. Das hieß, dass jeder in meiner Altergruppe der 3:02:36h oder schneller gelaufen ist auch einen Platz bekommen hat. Für 240$ (180$ für US-Bürger) hat man dann einen Startplatz (inkl. T-Shirt) im traditionsreichsten Marathonrennen der Welt.

Was macht Boston so besonders?

Die Map des Boston Marathons
Die Map des Boston Marathons

Der Boston Marathon ist kein Rundkurs sondern führt von der Kleinstadt Hopkinton im Westen nach Boston. Die Strecke ist größenteils abschüssig, der Start liegt auf 140m Höhe, das Ziel auf Meeresniveau.

Bei KM 20 liegt das Wellesley College und der berüchtigte “Scream Tunnel”. Es ist Tradtion, dass dort die College-Damen auf ca. 400m stehen und die Läufer anfeuern und Küsschen verteilen. Dies soll angeblich so laut sein, dass man es 1 Kilometer weit weg schon hört. Wie das aussieht seht ihr auf diesem Video

Bei KM 25 sind die Läufer nur mehr auf 15m über den Meeresniveau und kommen dann mit den Newton Hills (km 26-34) und dem berühmten Heartbreak Hill an den Knackpunkt der Strecke. Zuerst folgt eine steile Abwärtspassage (-46m Höhenmeter auf 800m) und dann der erste Anstieg mit ca. 20HM, den viele weniger trainierte Läufer gehen.

Es geht wellig weiter über 2 andere Hügel mit jeweils etwa 15m Höhenunterschied um dann den Heartbreak Hill zu erklimmen. Bei KM 33 sind die Speicher bei den meisten Läufer schon leer und der Anstieg mit 27 Höhenmetern auf 600 Metern zehrt an den Kräften und wird für die meisten Läufer zur Nervenprobe. Hier haben schon viele ihre Hoffnung auf Bestzeiten begraben…daher auch der Name.

Hat man den geschafft, gehts noch 10km mit -72 Höhenmetern nach Boston zum Ziel am Copley Square, dessen Ziellinie ganzjährig besteht (und sogar 2015 im Winter im Schneesturm von einem mysteriösen Mann freigeschaufelt wurde). 1 Meile vor dem Ziel liegt noch der Kenmore Square, gleich in der Nähe des Baseballstadions Fenway Park. Die Boston Red Sox spielen traditionell am Renntag ab 11:05h und seit 1903 ist es Tradition, dass die Fans dann zum Kenmore Square pilgern, um die Marathonläufer auf der letzten Meile anzufeuern.

 

und das wellige Höhenprofil
das wellige Höhenprofil

Wie bereite ich mich vor?

Ich verfolge traditionell einen 12 Wochen Plan. Das gibt mir die Möglichkeit, mich graduell zu steigern. Wie üblich habe ich 3 Wochen vor dem Marathonplan einen Aufbauplan befolgt. Dabei wecke ich den Körper aus der Winterpause (wo ich ja nur 3-4 pro Woche nach Lust und Laune laufe) und beginne wieder mit Intervalltraining, Fahrtspielen und langen Läufen am Wochenende. Gleichzeitig erhöhe ich die Wochenkilometer von 40-50 auf 70km und gewöhne den Körper ans (fast) tägliche Training im Marathonplan.

Wie auch bisher immer und auch in der Vorbereitung auf den Hamburg Marathon letztes Jahr, orientiere ich mich an den Plänen von Runnersworld.de. Ich bediene mich hier bei den sub 2:45h Plan bzw. dem sub 3:00h Plan. Das klingt kompliziert, ist aber eig. ziemlich einfach:

2x die Woche gibts Speedwork, 1x davon Intervalle und 1x entweder Fahrtspiel oder TDLs im Marathon Tempo. Danach eher einen Tag mit ruhigen Läufen und am So den üblichen langen Lauf. Diese werden Woche für Woche länger und ich laufe sie ab Woche 4 dann mit Endbeschleunigung. Dies bringt nicht nur Tempohärte, sondern ist auch ein gutes Training für den Kopf, wenn man weiß, dass man nach 30km noch mal Gas geben kann. In der Summe ergiebt das 6-7 Einheiten die Woche, wobei ich spätestens alle 10 Tage eine echten Ruhetag einlege (die 8-10k locker Montags nach dem Longjog sind ja aktive Regeneration).

Dazu werde ich definitiv einen Halbmarathon in der Vorbereitung laufen, sehr wahrscheinliche den Grazer Halbmarathon am 20.März. Letztes Jahr habe ich diesen wegen Krankheit verpasst, heuer hoffe ich dann dabei zu sein (auch wenn 3 Runde a 7k nicht mein Lieblingssetup darstellen).

Meine Ernährung wird folgendermaßen aussehen: Pasta, Reis, Fleisch, Gemüse, Schokolade, Obst, Kuchen,Fisch, Joghurt, Linsen, natürlich Manner Schnitten und so weiter….kurz ich esse was ich will. Ich halte nichts von den ganzen Low carb, low fat, low whatever Sachen, sondern von ausgewogener Ernährung. Wenn ich Lust auf nen Burger habe,ess ich nen Burger, dasselbe bei Schoko und co. Nur nicht jeden Tag, aber ich finde, wenn man hart trainiert, sollte man gut essen und sich nicht zwanghaft kasteien.

So hoffe ich dann am Montag den 18.April um 10h EST (16h Mitteleuropäischer Zeit) gerüstet am Start zu stehen für mein zweites World Marathon Major Race. Wer meine Vorbereitung genauer verfolgen will, kann das auf meine Instagram Feed machen 😉

Wofür trainiert ihr gerade und wie sieht euer Training aus?

Folge Rehspeck:

Key Account Manager

11 x Marathon Finisher,Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. Läuft 2018 in Valencia, Berlin, Kopenhagen. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done.

5 Responses

  1. […] lief Katherine 1967 beim weltberühmten Boston Marathon…als erste offiziell registrierte Frau… bei einem Marathon. Damals waren laufende Frauen […]

  2. […] vom Berlin Marathon 2014, durfte ich dieses Jahr beim Boston Marathon antreten. Mehr Infos zu der Qualifikation findest du und meinem Training gabs schon in den letzten auf dem Blog. Heute erfährst du wie es am […]

  3. Rehspeck
    | Antworten

    Danke Caro. Wird sicher ein tolles Erlebnis…

  4. EarnYourBacon aka Caro
    | Antworten

    Ganz viel Erfolg wünsche ich Dir für diesen tollen Marathon! Du rockst das! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere