Polar Night Halfmarathon in Tromsø – Laufen über dem Polarkreis

Polar Night Halfmarathon in Tromsø – Laufen über dem Polarkreis

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Anfang des Jahres machte ich mich auf den Weg in den Hohen Norden, genauer gesagt nach Tromsø, einer Stadt 350km nördlich des Polarkreises in Norwegen. Der Grund war der Polar Night Halfmarathon am 9.Januar, den ich im Rahmen der Km Challenge bei der Nike NRCCitychallenge gewonnen hatte. Die Ausschreibung versprach Temperaturen um die -5 Grad, eine Strecke, die mit Fackeln erleuchtet wird und mit etwas Glück die Möglichkeit den nördlichsten aller AIMS zertifzierten Halbmarathons unter dem Polarlicht zu laufen.

Die Anreise und Tromsø

Also gings am Freitag mit Sarah, Annika und Josi von Nike sowie Sophie, der Gewinnerin aus Woche zwei, von Berlin Schönefeld nach Tromsø. Bei -7°C und leichtem Schneefall landeten wir in der 80.000 Einwohner großen Stadt und trafen am Flughafen auf die anderen Gewinner: Dominik aus Köln, Jens und Floooriii aus FFM (letzterer hatte die Fotochallenge bei Laufen.de gewonnen). Die Damenriege vervollständigten Daniela aus München und Isa aus Hamburg. Wir checkten in unserem Hotel in der Innenstadt ein und begaben uns zum Abendessen. Nach reichlich Gequatsche mit den anderen Teilnehmern und Essen folgte noch ein kleiner Abendspaziergang durch das verschneite Tromsø und dann ab ins Bett, um die Kräfte für den Run zu sammeln.

Renntag – Schnee, Wind oder doch nicht

Nach einem sehr guten Frühstück mit Waffeln und Lachs holten wir auf einer erneuten kleinen Sightseeing Tour unsere Startnummer in Rathaus ab. Danach noch ein kurzes Mittagessen und um 14h dann Fotoshooting mit dem Nike Fotografen und für den Beitrag auf Laufen.de. Der Rennstart um 15h rückte immer näher und inzwischen hatte es wieder zu schneien begonnen. Ich lief mich mit Isa und Dani warm und 5min vor Start standen wir in der Aufstellung. Ich startete aus Reihe 3, der Schnee fiel leicht und es hatte gefühlte -7°C. Zeitlich wollte ich unter 1:40 laufen. Es würde spannend werden, ob ich auf der Strecke im zweistelligen Minutenbereich bleiben würde können!

Punkt 15 Uhr liefen 1430 Läufer aus 43 Ländern los – 650 auf der Halbmarathon-Distanz, 500 auf der 10k Distanz und der Rest startet über 5k. Die ersten 2km ging es durch die Haupstraße von Tromsø und danach auf einer unerwartet schwierigen Strecke der Küstenstraße entlang RIchtung Flughafen. Man lief auf ca. 10cm Schnee. Links von uns erstreckte sich der Fjord und rechts die typische Landschaft mit norwegischen Häusern unter einem mittleren Schneefall. Die Laufstrecke war von Laternen und Kerzen erleuchtet. Das gab dem Ganzen einen netten Touch. Ich hatte mich auf einen ~4:20pace eingependelt. Das war gut laufbar und der Wind vom Start war fast nicht spürbar.

Die ersten 5k lief ich mit Jens aus FFM, dann fiel er aber etwas zurück, also hängte ich mich an 2 Norweger und blieb in dieser Gruppe. Die Strecke führte bei Kilometer 8 über große Kreisverkehre, die immer wenn Läufer kamen, gesperrt wurden. Wir verursachten damit ein ordentliches Verkehrschaos in Tromso – aber Läufer haben eben Vorrang. Der Flughafen war jetzt ganz nah. Es ging vorbei am Terminal und dann in einer Pendelstrecke der ersten Wende entgegen. Diese nahm ich doch etwas zu forsch und landete dabei fast im Schnee. Zurück liefen wir noch etwas weiter um den Airport, dann erneut eine kleine Pendelstrecke mit Wende, die ich aber diesmal besser erledigte und dann gings schon zurück nach Tromso. Nun war klar, die 1:40 war greifbar und mit ein bisschen Glück sogar die 1.35h!

Kalter Wind, Eiswasser und ein unfreiwilliger Bodenkontakt…

Ziemlich genau beim Airport hatte es aufgehört zu schneien, aber leider blies uns ein kalter Wind (~25km/h) ins Gesicht. Das merkte ich auch gleich an meinen Kilometerzeiten die 8-10 Sekunden langsamer wurden. Ich versuchte an dem Norweger vor mir dranzublieben und seine Windschatten zu nutzen, scheiterte aber kläglich. Die norwegischen Streckenposten feuerten jeden Läufer an, das Heia Heia (Los-Los) hab ich heute noch im Ohr. Bei Kilometer 16 kam die letzte Labestation und ich beschloss etwas zu trinken und nahm einen Becher Wasser. Ich setzte zum Schluck an und dann…Eis!!! Im Wasserbecher schwammen doch wirklich Eisbröckchen, wohl auch so ein Spezifikum mit dem man bei Läufen im Norden bei gefühlten -13 (es war kälter geworden) rechnen muss :D. Also das Wasser etwas ausgeschüttet, 2 Schluck genommen und weiter.

Noch 5k…noch 4k…der letzte Anstieg und nur noch 3k. Durch den Linksturn der Strecke waren wir nun endlich aus dem Wind und ich freut mich innerlich auf nen Tee und eine warme Dusche. Doch dann passierte es. Ich nahm eine leicht abschüssige Kurve wohl etwas zu schnell und rutsche seitlich weg und landete voll auf meinen Ellebogen, Seite und Knie. Glücklicherweise war mir nicht viel passiert. Allerdings musste ich gute 30 Sekunden stehen bleiben und nach Atem ringen, um wieder voll Luft zu bekommen. Jens lief an mir vorbei und fragte ob alles okay ist. Ich schrie nur “Lauf weiter”. Ich spürte, dass mein Knie wohl was abbekommen hatte. Es tat weh. Aber trotzdem lief ich, wenn auch vorsichtiger weiter! Noch 2 Kilometer und die Straßen der Stadt waren erreicht. Durch die mit Herzen dekorierte Hauptstraße lief ich mit Knieschmerzen Richtung Ziel, allerdings trotz allem 4:24 Pace. Schon sah ich es vor mir auftauchen, noch 400m, noch 200m. Ich riss die Arme hoch und überquerte in 1:33:59h die Ziellinie.

Danach gabs nen kurzen Tratsch mit Jens (Zielzeit 1:33:33h) und ein paar Bilder mit dem Fotografen und dann die Medaille, Tee und ‘ne warme Jacke. Wir warteten im Zielbereich auf die anderen unserer Gruppe: Isa aus Hamburg war die schnellste in 1:43.02h (und damit 3. in der AK 18-34) und stellte ne neue PB auf. Flo kam nach 1:45:30h, Dani nach 1:50:43 und Dominik nach 1:54:53h (auch PB) ins Ziel. Danach machten wir noch ein paar Gruppenfotos und verschwanden schnell ins warme Hotel zum Duschen. Abends waren wir noch bei der Siegerehrung und Dinner eingeladen. Am Sonntag ging leider schon wieder der Flieger zurück in die Heimat.

Danke an Nike Berlin für die #NRCCityChallenge und die Möglichkeit bei diesem Event dabei zu sein. Leider hatten wir mit dem bewölkten Wetter das Pech keine Polarlichter beim Lauf erblicken zu können. Dennoch war es ein sehr geniales Rennen, die norwegischen Streckenposten und Zuschauer feuerten einen immer wieder an. Das war gerade am Rückweg im Wind wichtig. Die Strecke war mit profilierten Laufschuhen durchaus zu bewältigen (wenn man nicht so dumm ist sich in Kurven zu lehnen 😀 ). Aber fast 80% der Läufer hatten Spikes dabei. Die Organisation des Laufes ist toll und die Natur dort oben spektakulär. Norwegen hat mich also nicht zum letzten mal gesehen (Midnight Sun Marathon oder Tromsø Ultra Trail wären schon toll)…

Wäre so ein Winterennen auch etwas für euch oder bevorzugt ihr doch lieber die Temperaturen hier bei uns im Frühling und Herbst?

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Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. 10x Marathon, 16x Halbmarathon. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done Liebt auch Trails und das Gelände. Läuft 2017 in Hannover, Triest, Mailand, Hessen, Berlin und Chicago

4 Antworten

  1. Julia
    | Antworten

    Das klingt super, das würde ich auch gerne mal machen! Echt cool! Die Fotos sind toll! Und Deine Zeit richtig gut, herzlichen Glückwünsch!!!

  2. […] Blogpost von Flo aus Graz […]

  3. Barbara
    | Antworten

    Abgesehen davon, dass ich es dir voll gönne, dass du da mitlaufen durftest, bin ich doch verdammt neidisch auf die Medaille. Ein Wal! 😀

    • Rehspeck
      | Antworten

      Naja, man darf ja auch ohne Nike Challenge da oben hin :D. Und wenn man länger da ist kann man eventuell ja noch ne Wal-Tour machen oder mit dem Rentier-Schlitten durch die norwegischen Wälder kutschieren auf der Suche nach dem Polarlicht 😉

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