Nach 20 Marathons ist Schluss – Die freundliche Empfehlung deines Herzens!

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Hand aufs Herz! Die wenigstens fangen mit dem Laufen an, weil sie an ihre Herzgesundheit denken! Doch je besser man wird, desto begeisterter ist man, weil man ja nun auch sowas von gesund ist und sein Herz trainiert. Schon als Kleinkind wird uns eingetrichtert, dass Bewegung gut für unser Herz-Kreislauf-System ist. Schließlich wird es überall gepredigt! Mach Ausdauersport, dann bleibst du lange gesund.

In den 70er Jahren wurde dazu die Bassler Hypothese veröffentlicht:

Jeder, der gut so gut trainiert ist, dass er einen Marathon laufen kann, ist immun gegen Koronare Artheriosklerose!

Koronare Artheriosklerose ist die häufigste Todesursache in unser westlichen Welt! Durch Ablagerung von Fetten, Kalk und Blutbestandteilen kommt es zur Verengung von Gefäßen. Letztendlich kann gar kein Blut mehr fließen und die betroffene Person erleidet einen Herstillstand. Erste Warnhinweise können Brustschmerzen, Atemnot, verminderte Belastbarkeit und Herzryhtmusstörungen sein.

heart-665092_1920Das das nicht stimmte, wurde recht schnell klar! Trotzdem führte es nicht zum Abflauen des Laufwahns. Laufen entwickelte sich immer mehr zum Volkssport für alle und erfreut sich gerade heute großer Beliebtheit.

Doch Marathonläufer sind nicht immun gegen die gefürchtete Artheriosklerose.

Schaden wir unserem Herz oder tun wir ihm doch was Gutes?

Inzwischen ist klar, dass auch Marathonläufer an der gefürchteten Artheriosklerose leiden. Außerdem ist die sogenannte myocardiale Fibrose weit verbreitet. Durch die im Vergleich große Belastung beim Laufen kommt es bei Marathonläufern öfter zu einem Herzmuskelzelltod als bei normalen Menschen! Dabei kommt es zur Bildung von Narben (Bindegewebe) innerhalb des Herzmuskels. Der Herzmuskel hat aber viele Aufgaben zu erfüllen. Er muss sich perfekt und kontrolliert anspannen können. Er muss regelmäßig kleine Impulse senden, damit die Muskulatur reagieren kann… mit Bindegewebe mittendrin, kann das alles nicht mehr so gut funktionieren. Die Weiterleitung der Reize und der Kontraktion ist gestört!

Ganz besonders interessant ist aber, das es einen positiv linearen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Fibrose und der Anzahl der gelaufenen Marathons gab.  Ab 20 gelaufenen Marathons ist das Herz so stark mit Narbengewebe durchsetzt, dass Funktionseinschränkungen zu erwarten sind. Ist also Marathonlaufen eher schädlich für unser Herz?

Folgen des Marathonlaufens!

108 Marathonläufer wurden über 6Jahre lang immer wieder auf ihre Herzgesundheit untersucht. Am Ende zeigte sich quasi kein Unterschied hinsichtlich des Vorkommens von Herzerkrankungen in dieser Zeit im Vergleich mit Nichtläufern!  Auch die Todesrate war vergleichbar. Bei den Läufern fanden sich aber mehr fibrotisierte Herzchen als bei den Nichtläufern.

Dies deutet eher darauf hin, das Marathonlaufen überhaupt keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Herzgesundheit hat. Es scheint, als ob einem ab einem gewissen Trainingsumfang die ganzen Vorteile der vielen Rennerei flöten gehen! Bist du unter dieser Schwelle tust du was für deine Herzgesundheit! Trainierst du mehr, ist dein Herzkrankheitsrisiko mit dem des faulen TV Junkies zu vergleichen!.

Beachten muss man allerdings, dass viele Leute erst mit dem Laufen beginnen, weil sie vielleicht vorgeschädigt sind oder Herzkrankheiten in der Familie liegen. Das würde die Ergebnisse solch einer Untersuchung natürlich beeinflussen.

Moderation is the key?

Falls Du nun zu den Vielläufern gehörst und schon mehr als 20 Marathons auf dem Buckel hast – Sei beruhigt – denn auch dein Todesrisiko ist nicht größer als das eines Normalsterblichen! Lauf also einfach weiter und erfreu dich an deinem Lieblingssport!

Hast du Symptome schon öfter ignoriert oder einfach nicht wahrhaben wollen, dann geh bitte zum Arzt und lass dich durchchecken. Atemnot, Brust-, Schulter- und Armschmerzen sind typische Anzeichen. Beachte dabei die unterschiedlichen Symptome von Mann und Frau!

Bleiben die Untersuchungen ohne Befund und wurde kein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen festgestellt, lauf einfach weiter und fröhne dem Laufsport!

Quelle: Timothy Noakes – Time to quit that marathon running? Not quite yet!

Nur 20 Marathons?

Aber stell Dir vor, Du dürftest nur 20 Marathons laufen?? Welche stehen auf deiner Liste?

Ich habe nun schon 3 an Berlin verschwendet!! Schreck lass nach! Es kommt definitiv noch der Loch Ness Marathon, die Dopey Challenge in Orlando FLorida, der Great Wall Marathon und der Big Sur Marathon. Damit sind es dann auch schon 7… Die Zeit rinnt:D

 

 

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17 Responses

  1. Andreas
    | Antworten

    Das deckt sich ja ein bisschen mit dem oft gehörten Satz, dass das Training für den Marathon eher gesund, der eigentliche Marathon-Wettkampf aber eher ungesund sein soll. Wie auch immer: Der Mensch ist verschieden! Aber ein bisschen auf den Körper zu hören kann in der Regel nicht schaden 😉

    • Mietze
      | Antworten

      richtig, genauso habe ich es auch verstanden. Die Belastung bei der Distanz in Race-Pace ist eben doch nicht zu unterschätzen

  2. Roland
    | Antworten

    Soso,
    dann ist mein Herz ja schon lange tot 🙁
    Ernsthaft: seit 1989 laufe ich jährlich mehrere Marathons und Ultras, bis zu 20 Wettkämpfe pro Jahr.
    Nach dem Artikel hätte mein Herz also vor über 20 Jahren schon eine einzige große Narbe und völlig funktionsunfähig sein müssen.
    Mit inzwischen mindestens 20 x 20 Marathons auf dem „Konto“ ist vermutlich eh alles zu spät 😉

    Herzliche Grüße 🙂
    Roland

    • Mietze
      | Antworten

      huhu Roland, ich stelle hier nur Studien vor, die ich gefunden habe und die mir gefallen haben. Was du mit dem Ergebnis machst ist ja deine Sache:-) An sich bleibt aber eine Studie eine Studie. Sie gibt nur eine Wahrscheinlichkeit wieder die innerhalb einer Bevölkerungsgruppe Relevanz hat, aber für den einzelnen an sich nichts bedeutet.

  3. EarnYourBacon aka Caro
    | Antworten

    Vieles von dem habe ich mir von den Ärzten nach dem Beriner Halbmarathon anhören dürfen 🙂 Aber bei denen ist ein halber Marathon dasselbe wie ein ganzer! Paris wird der erste. Danach schau ich mal, ob noch 19 weitere dazukommen. Aber die werde ich gut auswählen! Great Wall finde ich auch toll!
    Interessant wäre jetzt so eine Untersuchung mit den in Mode gekommenen Ultramarathons 🙂

    • Mietze
      | Antworten

      ich glaube das verhält sich ähnlich mit den Ultras:D
      Aber schön, dass deine Ärzte dich da zumindest aufgeklärt haben.
      Bei 19 weiteren hast du ja noch gut Auswahlmöglichkeiten hehe

  4. Claudius
    | Antworten

    Hallo Mietze,

    wirklich sehr interessanter Beitrag der mich gerade etwas nachdenklich stimmt.
    Heisst das, dass sich das Bindegewebe erst ab „Marathon“ in so hohem Maße bildet?
    Kann ich also ohne Bedenken 40 Halbmarathons rennen? Oder 3000 Trainingskilometer pro Jahr auf Unterdistanzen abspulen?
    Ist es egal ob ich die Läufe mit hoher oder geringer Intensität gelaufen bin? –> Hat das einen Einfluss auf die Bindegewebebildung ?

    Fragen über Fragen 😉 … Weiß die Mietz die Antworten?!

    • Mietze
      | Antworten

      davon würde ich nicht ausgehen. Zum zellulären Untergang kommt es sicherlich auch bei anderen Einheiten und eben auch im Rahmen des Marathontrainings.
      Ich denke auch bei 40 HM und 3000 Jahreskilometern würde das Herz irgendwann geschädigt.
      Die Intensität hat def einen Einluss. Je intensiver desto größer die Gefahr des Zelltodes und der folgenden Bindegewebsbildung.

  5. Markus
    | Antworten

    Bei mir ist bei 20 sicherlich noch nicht Schluss. Die habe ich ja spätestens nächstes Jahr erreicht. Nee, nee!
    Aber nach China komme ich mit. Stand einmal auf dieser gigantischen Mauer und würde zu gerne zurück. Und wenn es sich mit laufen verbinden lässt umso besser

    • Mietze
      | Antworten

      der Great Wall Marathon soll aber wohl einer der härtesten sein. Habe erst neulich ne Reportage drüber gesehen:-) So viele Stufen und Höhenmeter!

  6. Torsten
    | Antworten

    Interessanter Artikel….ich hab ja das „Limit“ der 20 Marathons schon längst überschritten, aber auch wenn ich 2011 dort schon war, den Big Sur möchte ich unbedingt nochmal laufen.

    • Mietze
      | Antworten

      Hehe ja Statistik ist eben das,…nur Statistik….:D Big Sur soll echt toll sein ja:-) Ich bin noch nie in den USA gelaufen. Da gibts sicher viele tolle Läufe!

  7. Daniel
    | Antworten

    Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn es um gerade durch 10 teilbare Zahlen geht … hätte der Mensch 12 Finger wären dann 24 Marathons schlecht? 😉

    Aber mal im Ernst – sind die 20 Marathons in der Studie der Break-Even? Ab wann treten denn die Veränderungen am Herzen auf? Ich meine vor kurzem erst gelesen zu haben, dass bei LD-Triathleten Schädigungen am Herz festgestellt wurden, diese aber wieder in den darauf folgenden Wochen abgeheilt sind (ich denke es ging um einen Entzündungsmarker?).

    • Mietze
      | Antworten

      ich schätze du meinst Troponin? Das wird immer freigesetzt, wenn Herzmuskelzellen zu Grunde gehen. Lange war man der Meinung, dass sich Herzmuskelzellen nicht erneuern können, einmal zerstört würde sich Narbengewebe an besagter Stelle bilden. Dadurch auch die Annahme, dass das Herz bei Ausdauersportlern vermehrt fibrosiert ist.
      Habe aber auch gerade das hier gefunden: http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/medizin/-/journal_content/56/12054/1204440/Herzmuskelzellen-erneuern-sich-nach-einem-Herzinfarkt/ Da die Autoren keine Quelle nennen, weiß ich nicht woher genau sie die Informationen haben und wie verlässlich sie sind.
      Ich denke die 20 ist einfach durch statistische Auswertungen entstanden, da dass wie du schon andeutest die Anzahl ist, nachdem die Gefahr von Herzproblematiken aufgrund der vorher entstandenen Herzschädigung größer war, als bei Nicht-Marathonis.

      • Daniel
        | Antworten

        Danke für die Info … sehr spannend das ganze.

  8. Sven
    | Antworten

    Hallo Mietze,

    ein wie ich finde sehr spannender Artikel. Für mich als Nichtmediziner stellt sich dabei die Frage ob man die gefürchtete Bildung von Narben am Herzmuskel bei Untersuchungen feststellen kann? Und falls ja bei normalen Routinekontrollen bei einem Kardiologen oder muss man dafür in eine spezielle Klinik?

    Gruss Sven

    • Mietze
      | Antworten

      Hallo Sven, danke für die interessante Frage. Mir einem MRT kann man Herzfibrosen nachweisen. Entsprechendes findest du hier
      https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kardio-MRT.129605.0.html
      Das gehört allerdings nicht zur Routinekontrolle. Dort könnte man höchstens verdächtige Symptome entdecken, wie zum Beispiel die erhöhte Herzfrequenz oder auch Herzrythmusstörungen, die dann natürlich beim Spezialisten abgeklärt werden sollten!

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