Die 300km Woche für den Polar Night Run in Tromsø

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Nike rief vom 19.11-13.12.2015 zur #nrccitychallenge auf. Hierbei konnte man sich als N(ike) R(un) C(lub) Mitglied für seine Lieblingsstadt anmelden (darunter neben Berlin u.a. auch Hamburg, München, Frankfurt, Wien und Zürich) und für diese Kilometer sammeln. Den zwei laufstärksten Städten winkte ein exclusives Nike Event. Als extra Anreiz sollten die jeweils fleissigsten Läufer pro Woche eine Reise zum Polarrun nach Tromso in Norwegen gewinnen.

Das Logo der NRC City Challenge
Das Logo der NRC City Challenge

Streakrunning extrem

Ich hatte zu Beginn nicht vor an dieser Challenge teilzunehmen, die Mezzamaratona di Palmanova lag gerade 3 Tage zurück und ich hatte mir geschworen danach zu regenerieren. Ich meldetet mich zwar an und lief für Wien, aber ohne auf irgendeinen Platz zu schauen. Die erste „Woche“, die insgesamt 11 Tage dauerte gewann ein Läufer aus Köln mit 364km und eine Dame aus Hamburg mit 225km. D.h. er lief ~33km pro Tag, sie ~20,4. Wer selber läuft, weiß was dies für eine Belastung darstellt, wenn man jeden Tag laufen geht und dabei solche Distanzen überwindet. Die Streakrunner machens vor! Jeden Tag mindestens 5km laufen! Bei mir sollte es etwas mehr werden! Im Dezember findet auch immer der Marcothon statt, ein virtuelles Streakrunning-Event bei dem man jeden Tag im Dezember mindestens 5 Km laufen muss. Das, was vor 7 Jahren als Spaß-Idee des Namensgebers Marco begann, wird heuer von ca 8000 Läufern durchgezogen, darunter auch unser Freund Peter von peterslaufblog.

In Woche 2 der Challenge gewann ein Läufer aus Frankfurt mit 280km in 7 Tagen, bei den Damen wieder jemand aus Hamburg mit 190km. In dieser 2.ten Woche war ich in Berlin bei der Mietz zu Besuch, lief am Sonntag im Plänterwald mit ihr die 10k und hatte am Sa beschlossen es zu versuchen. Ich wusste also, dass man um die 40km pro Tag brauchen würde, wenn man sich die Chance für Tromso erhalten wollen würde. Mein bisheriger Rekord für eine Woche lag bei 160km im Marathontraining. Ich war gespannt,wo ich in einer Woche landen würde und versprach mir sofort abzubrechen,wenn ich gesundheitlich Probleme bekommen sollte.

Die ersten 80km auf Entdeckungstour in Berlin und ein Reisetag 

Die Challenge begann Montags in Berlin. Mietze war bei der Arbeit und ich lief ihre Longjogrunde (31,1km) entlang des Mauerweges und Teltowkanales zu Mittag. Abends gabs noch ne kurze schnellere 9k Session mit Freunden am Teltowkanal. Tag 1 mit 40km war im Sack. Am Dienstag gings entlang der S25 von Lankwitz zum Potsdamer Platz, von dort zum Alex und über die Spree bis zum Schloss Charlottenburg – am Ende 24,1km. Abends folgte noch ein kleine Runde mit Stirnlampe am Mauerweg (grusel) und heim über den Teltowkanal, um wiederrum die 40km am Tag vollzumachen. Wie nach jedem Lauf folgte konsequentes Dehnen und kalt/warm duschen. 80km in zwei Tagen waren geschafft, ich war zwar etwas müde aber noch war alles im Rahmen.Ich versuchte das, was ich durch das Laufen verlor in Form von hochwertiger Nahrung zu kompensieren und hatte abends beim Nachschlag auch kein wirklich schlechtes Gewissen. Mittwoch reiste ich mit dem Bus nach Österreich zurück und lief nicht. Das war so auch geplant. Ich wollte meinem Körper etwas Ruhe gönnen, auch wenn ich kurz überlegte,ob ich noch abends nach der Ankunft eine kleine Runde machen sollte.

Wenn deine Laufschuhe um Gnade winseln und du Dauerhunger hast

Donnerstag war mir klar, dass ich in den kommenden 4 Tagen die Schlagzahl erhöhen musste, um den Ruhetag wieder rauszuholen. Also gab es mittags eine große Runde um Graz (30km) und abends nochmals 16km obendrauf. Ab Freitag wurde ich dann ehrgeizig und beschloss 3 Mal täglich zu laufen, um so kürzerere Einheiten, aber mehr Kilometer zu machen. Morgens gings vor dem Frühstück auf eine 10km Runde, mittags folgten 26km und abends nochmal 19km – gesamt 54km. Am Abend war ich dann zum ersten Mal richtig müde.Die Pace, die ich sonst lief war nicht mehr zu halten. Dazu kam ein Bärenhunger. Ich hätte den Kühlschrank leer essen können und selbst nach ordentlichen Portionen grummelte der Magen noch. Also beschloss ich früh ins Bett zu gehen und meinem Körper mehr Schlaf zu gönnen. Der vorletzte Tag begann mit 13km vor dem Frühstück und ich hätte schwören können, dass meine 12 Paar Laufschuhe sich geduckt hatten, als ich vor dem Regal stand und überlegte, welche ich für die Einheit nehme. Mittags folgten 25km und abends nochmals 22k für ein Tagespensum von 60km. Sa war im Rückblick der härteste Tag. Es war bewölkt, keine Sonne und ein kühler Wind wehte. Wäre mir das in der Mitte der Woche passiert hätte ich wohl aufgehört aber nach über 180km von Montag bis Freitag war aufgeben jetzt keine Option.

Ein letzter Kraftakt für die Reise in den Norden

Ich wusste Sonntag früh, dass ich in der Gesamtwertung knapp vor meinem Mitläufern lag. Dies und das Wissen,dass es der letzte Tag war, motivierte mich nochmal extrem. Dazu schien auch schon beim 15km Morgenlauf am Sonntag die Sonne am blauen Himmel und mir war klar…das wird heute was. Mittags brach ich zu meiner großen 35km Runde um Graz auf. Diese laufe ich normalerweise nur in der Marathon Vorbereitung. Ich baute noch eine Schleife ein und kam nach 37,5km wieder nach Hause. Damit waren nun 295km am Wochenrechner und ich danach wirklich k.o. Aber zwei große Teller Pasta und ein Joghurt später war klar: Ja, ich laufe abends noch ein letztes Mal. Um 19h ging ich auf meine letzte Runde. Es wurden 9,7km und damit mit 63km der Höchstwert der Woche.

305,16km und eine E-Mail von Nike

Die erlösende Mail von Nike
Die erlösende Mail von Nike

Am Ende standen 305,16km für die Woche auf der Uhr! Die Waage zeigte 2,5kg weniger als als Sonntag abend.Ich syncronisierte meine Garmin Sonntag abends und Montag morgen gabs die erste Überraschung: Ich konnte nur mein eigenes Ergebnis sehen, aber nicht mehr das der anderen – Aaaaahhhhhhh!!!! Also saß ich Montag, eh schon eher müde von der Woche herum und grübelte, ob das reichte…. Nicht, dass mich doch noch jemand überholt hatte. Als ich Dienstag aufwachte, bot das Challenge Portal denselben Anblick. Ich redete mir ein: „Alles gut, wenn es nicht geklappt hat, hast du dir wenigstens gezeigt, was du kannst und dein Limit verschoben“. Aber dann, am Dienstag Vormittag machte es bing am Handy und sie war da – die Mail von NIKE.

Ich reise also vom 8-10.16 nach Tromsø in Norwegen und werde dort beim Halbmarathon (hoffentlich unter Polarlicht) antreten. Wie es mir dort ergeht erfahrt ihr natürlich hier.

Abschließend sollte ich erwähnen, dass ich nie gedacht hätte, dass ich 300km in einer Woche schaffe. Ich würde auch niemanden raten, sowas aus Jux und ohne eine passenden Grundkondition zu probieren. Ich halte mich zwar selbst für ganz gut trainiert, aber mein Monatspensum in einer Woche abzurufen war auch für mich eine große Herausforderung. Ich habe bei jedem Lauf sehr genau in mich reingehört,um zu sehen ob ich weiter machen will und zu verhindern, mir eine Verletzung zuzuziehen. Andererseits ist es für mich wieder ein Beweis, dass man seine Grenzen immer weiter verschieben kann und dass der Körper, wenn nötig wesentlich mehr leisten kann, als man es selbst erwarten würde.

Was war eure weiteste Distanz, die ihr in einer Woche zurückgelegt habt? Wie ging es euch dabei bzw. nach dieser Woche? Habt ihr schon mal bei einer Challenge für einen Lauf teilngenommen?

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11 x Marathon Finisher,Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. Läuft 2018 in Valencia, Berlin, Kopenhagen. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done.

14 Responses

  1. […] Der Grund war der Polar Night Halfmarathon am 9.Januar, den ich im Rahmen der Km Challenge bei der Nike NRCCitychallenge gewonnen hatte. Die Ausschreibung versprach Temperaturen um die -5 Grad, eine Strecke, die mit […]

  2. […] Berlin. Die Sieger durften sich über eine Tageskarte für das Spa Berlin freuen. Oder auch die NRCCitychallenge, wo man über 3 Wochen Kilometer für seine Stadt sammeln konnte und einen Trip zum Polar Night Run […]

  3. Markus
    | Antworten

    Da haben schon einige Verrückte mitgemacht, bei der Challenge 😉
    Glückwunsch zum Gewinn und viel Spaß in Norwegen!

    • Rehspeck
      | Antworten

      Danke. Und ich geb dir Recht, grade in Woche 1 mit 11 Tagen haben die sich in der Challenge ja echt gebattelt und tw. auch schon für den Rest der Challenge abgeschossen. Ich hatte den Vorteil der Erfahrungswerte der ersten 2 Wochen, aber halt auch den Faktor, dass man ja nicht wusste wer mitläuft und fast alle „Synchronisationspoker“ betrieben haben 😀

  4. Marco
    | Antworten

    Ich bin mal 100km am Stück gelaufen in 8:54 allerdings hatte ich da eine Startnr. am Shirt?, ansonsten hatte ich mal 150km als Ausnahme in einer Woche..
    Grundsätzlich laufe ich in Peakwochen aber nicht mehr als 130km was bei mir locker langt für Marathon in sub3h und 100km um tiefe 8h zulaufen…

    • Rehspeck
      | Antworten

      Wow, 100k am Stück klingt spannend. Ultra würde mich auch reizen, ich glaube aber dann eher mit ein paar Höhenmetern. Wo hast du denn den 100km Lauf gemacht?

  5. Markus
    | Antworten

    Ach du sch…. Du Verrückter!
    Ich verzweifle noch immer an den 100km/ Woche und du machst sowas… wahnsinn!

    • Rehspeck
      | Antworten

      Ich hab auch lange an der 100km Woche gearbeitet, dann in der Salzburg Marathon 2014 Vorbereitung beim sub 3:15 Plan das erste Mal drüber und seitdem gehts ganz gut. Aber das Laufen für die Challenge kann man halt net mit ner MA-Vorbereitung vergleichen.Bin bei der Challenge Mo-Di noch 5:11 Schnitt gelaufen, am Do schon 5:35 und ab Fr ging da nur mehr 5:50 pace. Das ist halt dann nur Sparmodus um hinten raus noch Luft zu haben. Da ist mir MA-Training mit wechselndem Speed lieber und auch für den Kopf leichter…

  6. Sebastian
    | Antworten

    Super stark! Glückwunsch und viel Spaß bei der Reise!

    • Rehspeck
      | Antworten

      Danke! Ihr erfahrt dann hier wie es war 😉

  7. Michael
    | Antworten

    Alter Schwede -oder Norweger- was für eine Leistung!
    Gratulation zum Startplatz und viel Spaß…
    BtW: uns Streakrunnern reicht auch eine Meile/ Tag, also ca. 1,6km…

    • Rehspeck
      | Antworten

      Dake für den Hinweis zu de Streakrunnern. Hatte das irgendwo gelesen, aber dachte mir dann,dass niemand doch nur ne Meile läuft und es als Fehlinfo abgetan. Hab dann 3 Meilen/5k gefunden und fand das glaubwürdiger

  8. Martin
    | Antworten

    Wahnsinn. Respekt vor deiner Leistung und viel Spaß da oben.

    Ich bin mehr oder minder viel für Frankfurt gelaufen. Der Zeitpunkt der Challenge war mehr als ungünstig für mich. So ganz hatte ich den Frankfurt Marathon noch nicht verdauet und außerdem gerade wenig Zeit. Glück für dich – sonst hätte ich gewonnen. Haha. Nicht…

    • Rehspeck
      | Antworten

      Ja, der Zeitpunkt war echt etwas spät im Jahr und suboptimal. Hatte nur das Glück,das die Tour de Tirol ja schon im Oktober war und Palmanova Halbmarathon mehr zum drüberstreuen 3 Wochen vorher war. Aber ich hab jetzt auch die Woche nach der Challenge wenig gemacht (3 Läufe mit gesamt 27km) und leg jetzt dann ab 24 wieder los. Damit sollte dann auch die Ermüdung der Challenge weg sein.

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