Palmanova – Wo die Mietz das Laufen wieder lieben lernte

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Palmanova….

……ein kleines sternförmiges Dörfchen in Norditalien. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie davon gehört, bevor Rehspeck vorschlug dort den Halbmarathon zu laufen. Wieso aber gerade das zu empfehlen ist, erfahrt ihr jetzt 🙂

Nach meinem Berlin Marathon Debakel war ich erstmal ziemlich abgeneigt, doch dann kam kurzzeitig das Feuer wieder und ich meldete mich an. In den folgenden Wochen lief ich aber kaum und wenn, eher lustlos, sodass von einem neuen Angriff auf die Bestzeit überhaupt keine Rede mehr sein konnte. Eine Woche vorm großen Tag stellte ich mit Erschrecken fest, dass ich seit Berlin nicht mehr als 10km gelaufen bin. So entschied ich, meine übliche 16km Runde zu laufen und es davon abhängig zu machen, ob ich starten würde. Nach den 16km war ich leicht verzweifelt und trauerte meiner früheren Fitness nach, aber es half ja nichts. Wer 16 schafft, schafft auch 21,1km und so flog ich am Freitag ins wunderschöne Österreich… Samstag früh starteten wir in Richtung Palmanova.

Der Palmanova Halbmarathon

Die Mezzamaratona di Palmanova fand heuer zum 13. mal statt und in den letzten Jahren hat sich das Event, in der gut erhaltenen sternförmigen Festungsstadt aus dem Barock, zu einem Fixpunkt für viele Läufer in der Alpe Adria Region (Südösterreich / Nordost Italien / Slowenien) entwickelt. Dies liegt an mehreren Faktoren. So ist die Strecke sehr flach und weist gerade mal 27 Höhenmeter auf und zieht daher eine Menge schneller Läufer, sowohl aus Österreich, als auch Slowenien an. Aus diesem Grund benötigt man für den Lauf auch keine Gesundheitsbescheinigung (certificato medico), die man in Italien sonst bei allen Laufveranstaltungen vorweisen muss – es reicht eine Erklärung des Läufers wie in DE und AT. Den Teilnehmern wird für kleines Geld (Anmeldungen von 18-28€) einiges geboten, denn im Anmeldepreis ist jedes Jahr ein Stück Laufbekleidung enthalten, heuer war es ein Longsleeve, 2014 ein Zipjacke und 2013 ein Hoodie. Palmanova lockt neben einer reibungslosen Organisation mit reichlicher Zielverpflegung und einem Teller Pasta danach, sowie einer schönen Medaille (soll ja Leute geben die nur deshalb laufen :D). Zu guter Letzt hat man in Norditalien im November bei angenehmen Temperaturen nochmals die Chance Bestzeiten zu erzielen. Am Samstag Nachmittag findet mit dem Hundelauf (corsa con fido) auch ein nettes Event statt, wo Zwei- und Vierbeiner gemeisam 2,5km zurücklegen und auch die Hunde eine Medaille bekommen. Genau aus diesen Gründen ist Palmanova bei Rehspeck seit 3 Jahren immer der Saisonabschluss.Dazu ist ein Ausflug nach Italien nie verkehrt!

Der Mietzenplan

Ich muss sagen, dass ich mich noch nie so lustlos vor einem Wettkampf gefühlt habe… Nach dem Frühstück kroch ich erstmal wieder ins Bett um noch ein bisschen zu dösen. Der Start war erst für 10.00Uhr angesetzt und so blieb noch genug Zeit zum Entspannen. Dreiviertel 10 machten wir uns dann auf den Weg zum Start. Hier ging alles ganz geordnet zu. Man konnte sich bei seiner Zielzeit einordnen, wobei es je 10min Abstufungen bis zu 2.00h gab. Ich sortierte mich bei über 2h ein, da ich gerne unter 2.15h bleiben wollte.

Der Lauf der Mietze

Der Start beim Palmanova Halbmarathon ist schon was besonderes. Aufgrund der Geometrie der Stadt kann man in 2 Richtungen starten. Die Läufermassen werden dann nach 1,5km wieder vereint. Ich entschied mich nach links zu laufen, da man sowieso über die rechte Seite wieder in die Stadt reinlaufen würde. Hier zeigten sich die Italiener von ihrer sozialen Seite. Es wurde weder geschubst noch gedrängelt oder sonstewas. Das Laufen war auf den ersten Kilometern absolut angenehm und so tingelten wir in lockerer 6.20er Pace auf den kleinen Bundesstraßen raus aus Palmanova. Wir liefen entlang vieler Felder und Zitronenbäume. Man konnte richtig abschalten und die Landschaft geniessen. Nach einem Drittel wurde ich auf einmal immer flotter und wollte mich auch nicht zurück halten. So flogen die Kilometer in einer sub 6er Pace vorbei und so richtig anstrengend war es auch nicht. Ich zermarterte mir das Hirn und probierte ständig auszurechnen ob ne sub 2h Zeit noch drin war und kam zu dem Schluss, dass es zu schaffen war 😀 So legte ich noch ein bisschen zu und probierte die vertrödelte Zeit auf der ersten Hälfte wieder gut zu machen.

Die erste Hälfte hatte ich genau nach 01.03.39. 10.5 km mussten also noch in guten 56min geschafft werden….brrr gern würd ich euch sagen, dass ichs gepackt hab, aber am Ende schrammte ich knapp daran vorbei und lief nach 2.00.16h über die Ziellinie. Aber noch wichtiger ist, dass das einfach total egal ist…Ich lief die zweite Hälfte konstant unter 5.30 und das obwohl ich seit Berlin nie mehr unter 6er Pace gelaufen bin. Es war locker, es hat Spaß gemacht und ich wusste auf einmal wieder wieso ich laufe und so viel Zeit in diesen Sport investiere. Auf der zweiten Hälfte machte ich noch 130 Plätze gut und lasst mich euch eins sagen: Das Feld von hinten aufräumen, macht einfach richtig Spaß!

Rehspecks Lauf

Nachdem ich mich von der Mietze verabschiedet hatte, machte ich mich auf dem Weg nach vorne, ordnete mich zwischen 1.24 und 1:30 ein und startete auch zum ersten Mal hier nach Westen raus. Mein Ziel war Richtung 1:26h zu laufen und dann bei der Halbzeit zu schauen, ob die Attacke Richtung Bestzeit (also unter 1:24:57h) drin ist. Durch den Trailfokus im 2.Halbjahr habe ich leider etwas an Grundspeed verloren, doch im Gegensatz zum letzten Jahr (18 Grad und Sonne) ware es heuer mit knappen 10 Grad geradezu ideal vom Wetter. Die ersten Kilometer verliefen gut, ich hatte schnell meinen Platz gefunden und ähnlich wie bei Judith war kein Gedränge zu merken. Bis zur ersten Labe beim KM 5 in Clauiano lief ich einen 4:00 Schnitt, der 1:24h Pacemaker-Ballon war immer in Sicht  – so weit so gut. Es ging weiter über die Landesstraßen durch die Felder und kleinen Dörfer, immer begleitet von einem etwas nervenden Keuchen. Das kam von einem Läufer, der sich schön in meinem Windschatten klebte und mir von Kilometer 6 nicht mehr von der Pelle rücken wollte.

Den Halbzeitmarke passierte ich nach 42:40min und fühlte mich noch immer sehr gut – also Angriff.  Km 12/13/14 lief ich im 4:00/3:59/3:58min pace und alle schien super. Doch dann bekam ich massives Seitenstechen und musst einfach Tempo rausnehmen. Der Keucher überholte mich endlich und mein Tempo ging runter: 4:18/4:09/4:08/4:07 – die Bestzeit war dahin… jetzt hieß es noch den Lauf würdig zu Ende zu bringen. Gegen Ende von Kilometer 18 hatte sich das Seitenstechen dann auch verabschiedet, ich hängte mich an eine slowenische Läuferin und legte wieder an Tempo zu. Ich konnte einige jener Läufer überholen, die mich in meiner Schwächephase passiert hatten und Kilometer 20 und die Stadtmauern von Palmanova kamen in Sicht – Die Uhr zeigte 1:21:51h. Also Schlußspurt um die 1:26er Zeit noch zu schaffen. Ich legte Tempo zu, passierte das Stadttor und sah vor mir das Ziel und die Uhr ticken. Mit einer letzten Sprint überquerte ich bei 1:26:59h die Ziellinie – meine schnellste Zeit, die ich bisher in Palmanova gelaufen bin und der schnellster HM heuer.

Zahlen

Von den 3023 Finishern wurde die Mietze letztendlich 2575 und 432 in der AK. Ich bin stolz an den Start gegangen zu sein und auch wenn eine Bestzeit an diesem Tag ganz weit weg war ist es doch wahnsinnig beeindruckend, was der Körper alles kann, auch wenn der Kopf ihm so gar nicht vertraut. Als I-Tüpfelchen wurde ich auch noch beste (weil einzige) Deutsche 🙂

Für Rehspeck reichte es zu Platz 373 und den 46 Platz in der AK. Trotz des Seitenstechnes bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, da ich denke, dass ich ohne in die 1:25h Gegend hätte laufen können, was nach dem Trailfokus doch ganz beruhigend ist.

Nach dem Laufen fielen wir über die reichliche Ziellabe her und stärkten uns an Kuchen, Rosinen, Feigen, Obst, Schokolade, Brote mit Marmelade, Tee, Saft und Wasser. Nach dem Duschen und Checkout im Zimmer ging es nochmals zurück zum Finish, wo wir uns noch unseren Teller Pasta, der ja im Preis inbegriffen war abholten.

Wir können den Palmanova Halbmarathon nur empfehlen. Für wenig Geld bekommt man ein schnelles, perfekt organisiertes Rennen. Sogar die Polizisten feuern einen hier vom Straßenrand an! Palmanova? Wir kommen sicher wieder!

 

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4 Responses

  1. […] 3 Wochen haben wir euch von der Mezzamaratona di Palmanova berichtet, die unseren gemeinsamen Saisonabschluss darstellen sollte. Doch es kommt meist anders […]

  2. […] hatte zu Beginn nicht vor an dieser Challenge teilzunehmen, die Mezzamaratona di Palmanova lag gerade 3 Tage zurück und ich hatte mir geschworen danach zu regenerieren. Ich meldetet mich […]

  3. Steffi
    | Antworten

    Das klingt nach einem schönen Event. Toll, dass du solchen Spaß dran hattest! 🙂

    • Mietze
      | Antworten

      ja es war wirklich schön und die Medaille ist auch echt hübsch:-)

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