Zeigt her eure Füße – Finde den richtigen Laufschuh

Zeigt her eure Füße – Finde den richtigen Laufschuh

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Der Laufschuh ist das wichtigste Ausrüstungsstück beim Laufen – doch das Finden des perfekten Laufschuhs stellt für viele eine Mammutaufgabe dar. In den Regalen der Shops tummeln sich hunderte Modelle und es ist selbst für erfahrene Läufer schwer, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. Dazu noch Ausdrücke wie Pronation, Supination, Neutralschuhe, Natural running, Dämpfungsschuhe usw….wenn euch diese Begriffe wenig oder nichts sagen, dann seid ihr hier genau richtig. Wir versuchen etwas Klarheit zu bringen und euch auf den richtigen Weg beim Laufschuhkauf zu helfen.

 

Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh

Der erste Schritt zum Finden des idealen Schuhs ist, sich seine Füße anzuschauen. Bei der Laufschuhberatung im Shop wird sich der Verkäufer deine Fußstellung anschauen, dann wirst du aufs Laufband dürfen und dort wird er sehen ob du supinierst,pronierst oder normal läufst – aber dazu gleich mehr.

Kommen wir zurück zum Fuß. Die erste Frage ist – hast du einen Hohlfuß, Senkfuß oder Normalfuß? Wenn du jetzt drei große Fragezeichen über dem Kopf hast, nutze diesen einfachen Tipp, um zu sehen, welchen Fußtyp du hast:

  1. Geh im Sand (am Meer/See)  2-3 Schritte barfuß oder
  2. Tritt mit feuchten Füßen auf ein dickes Blatt Papier

So siehts du deinen Abdruck und kannst definieren,welcher Typ du bist.

Beim Hohlfuß ist das Fußgewölbe sehr hoch, d.h. beim Auftreten wird die Aussenseite, Fußballen und Ferse belastet, es kommt aber nicht zur natürliche Abrollbewegung (Pronation) über die Fußinnenseite. Dein Abdruck wird also quasi C förmig sein.

Beim Senkfuß tritt quasi das Gegenteil des Hohlfußes auf. Der Fuß tritt mit der gesamten Fläche auf – der Fußabdruck ist vollständig aber sehr breit. Oft tritt in Verbindung mit dem Senkfuß ein starkes Einknicken (Überpronieren) des Fußes auf, weil der Körper die unnatürliche Bewegung mit Hilfe der Knie und Hüften auszugleichen versucht. Dies führt zu einem weicheren Auftritt, aber zu einer höheren Gefahr des Umknickens. Ein Merkmal eines Senkfußes sind die stärker hervorstehenden Knöchel an der Fußinnenseite.

Den Normalfuß haben nur 1/4 aller Läufer. Hier findet eine natürliche Laufbewegung statt – der Fuß trifft auf der Außenseite der Ferse auf, knickt (proniert) leicht nach innen und rollt über den Fußballen ab. Es ensteht der quasi perfekte Fußabdruck. Je nachdem, welcher Fußtyp du bist, sollten deine Schuhe gewählt werden.

Fußtypen und der Fußabdrücke
Fußtypen und deren Fußabdrücke

Der Lauftyp: Überpronierer, Supinierer oder Normalläufer?

Nun fehlt uns noch die Frage des Lauftyps. Der Überpronierer (45% alle Läufer) tritt beim Lauf hinten auf der Außenseite auf, knickt aber dann stark nach innen  (der Fuß ist nach innen geneigt) und rollt über vorn innen ab.

Der Normalläufer (~40% alle Läufer) tritt hinten an der Außenseite auf, der Fuß knickt in einer natürlichen Bewegung nach innen (der Fuß steht quasi mittig) und der Abdruck erfolgt ebenso mittig.

Der Supinierer (~15% alle Läufer) tritt hinten an der Außenseite auf, die Abrollbewegung geht weiter über die Außenseite (der Fuß ist nach außen geneigt) und knickt erst im Moment des Abstoßens an den Fußballen nach innen. Je nach Laufstil sollte dein Schuh dir helfen diese Dysbalance auszugleichen.

Aufritt von Läufern (© jogging-online.de)
Aufritt von Läufern (© jogging-online.de)

Welche Schuhe eignen sich für wen?:

  1. Neutralschuhe: Bist du ein Normalläufer, dann sind dies die Schuhe für dich. Sie unterstützen deinen natürlichen Bewegungsablauf, bieten aber keine zusätzliche Stütze an der Fußinnen- bzw. Außenseite. Die Dämpfung der Schuhe kann variieren, von stark gedämpft bis zu fast gar nicht gedämpft. Sie sind leicht und eignen sich gewöhnlich für Läufer bis 80kg. Bei Supination oder leichter Überpronation können auch diese Schuhe mit extra angepassten Einlagen verwendet werden, um der Fußfehlstellung gegenzusteuern.
  2. Gestützte Schuhe: Bist du jemand der zur Überpronation neigt, dann solltest du dir gestützte Laufschuhe ansehen. Hier benötigst du eine Stütze im Mittelfuß um dem Überpronieren entgegenzuwirken und die dadurch entstehenden Ausgleichsbewegungen in Knie und Hüfte zu verhindern. In den letzten Jahren hat sich aber einen neue Gedankenrichtung entwickelt. Nun heißt es, dass nicht jede Überpronation eine massive Stütze benötigt, sondern leicht flexible Elemente das natürliche Abrollverhalten besser unterstützen als eine feste Stütze. Läufer über 80kg sollten eher zu gestützten Schuhen greifen, da man mit mehr Gewicht dazu neigt, mehr zu pronieren bzw. supinieren.
  3. Gedämpfte Schuhe: Neigst du zur Supination sollte dein Schuhe, aufgrund der fehlenden Fähigkeit deines Fußes zur Pronation bzw. Dämpfung dir genau diese Eigenschaften geben. Deine Schuhe sollte also weicher gedämpft und flexibel sein, dazu ist die seitliche Führung des Laufschuhs wichtig. Oder man verwendet, wie oben schon erwähnt, Einlagen und geht in die Richtung eines Neutralschuhs für das Training.
  4. Wettkampfschuhe: Die Rennmanschinen unter den Laufschuhen, sie sind leicht mit geringer Dämpfung und einem schmalen Schnitt. Es gibt sie für Normalläufer, als auch in der gestützten Variante, aber man sollte vorher seine Muskulatur an die Schuhe gewöhnen. Durch die geringe Dämpfung werden hier andere Muskelpartien, besonders die Fußmuskulatur, Gelenke und Achillessehne belastet, als bei Trainingsschuhen. Daher sollten die Auswahl von WK-Schuhen mit einer Laufanalyse/beratung einhergehen. Die meisten WK Schuhe werden übrigens Läufern bis zu einem Körpergewicht von 70kg empfohlen.
  5. Natural-Running Schuhe: Der Trend der letzten Jahre – zurück zu Natur mit Schuhen, die sich quasi wie Socken anfühlen. Das Ziel ist ein Training, welches das Fußgewölbe und die Fußmuskulatur trainiert. Die Sprengung (Der Unterschied zw. Höhe des Vorderfußes und der Ferse) ist reduziert oder gleich null, die Schuhe leicht und extrem flexibel. Es gibt sie auch in einer gestützten Variante, aber vorsicht: Der Körper muss langsam an die Natural running schuhe gewöhnt werden,  die meisten Läufer beginnen mit gehen, dann langsamen joggen und erst nach einiger Zeit mit dem Laufen in Ihnen.
  6. Trailrunning-Schuhe: Nicht unerwähnt möchte ich hier die Trailrunningschuhe lassen: Sie sind eher schwer, vereinen Stabilität mit Felixibilität, um im Gelände dem Fuß einerseits halt aber auch Bewegungsfreiheit zu geben. Trailrunningschuhe haben fast keine Dämpfung da der Naturboden im Gelände von selbst nachgibt und nict so hart ist wie Asphalt. Sie verfügen über ein belastbares Außenmaterial, sind oft wasserfest und haben eine Zehenbox die den vorderen Teil schützt. Auch sie gibt es in neutraler oder gestützter Form.

Warum Frauen keine Männerschuhe laufen sollten:

Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus – oder so ähnlich will man es uns weismachen. Gerade beim Laufschuhkauf trifft dies aber zu – denn Männer und Frauen unterscheiden sich schon rein anatomisch. Männer haben einen höheren Muskelanteil und sind normalerweise auch schwerer als Frauen. Dadurch muss der Schuh einer Frau in der Zwischensohle etwas mehr gedämpft sein und viel mehr Flexibilität bieten, als jener der Männer, einzig Frauen mit höherem Körpergewicht sollten eventuell auch einen Schuh für Männer ins Auge fassen. Frauen haben eine schmalere Ferse aber einen breiteren Vorfuß als Männer – daher sollten Frauenschuhe an der Ferse genug Halt bieten, aber im Zehenbereich ausreichend Platz lassen..

Unsere Tipps zum Schuhkauf:

  1. Versucht herauszufinden, welchen Fußtyp ihr habt und nehmt eure aktuellen Laufschuhe mit (oder wenn ihr noch keine habt Straßenschuhe) zum Schuhkauf. Ein guter Verkäufer kann anhand der Abnutzung Rückschlüsse ziehen, wie ihr lauft
  2. Nehmt eure Laufsocken mit! Klingt seltsam aber ihr lauf ja später nicht in normalen Socken oder Tennissocken, deswegen solltet ihr die neuen Schuhe auch mit eueren Laufsocken probieren. Und die Probesocken vor Ort sind nie so gut wie die eigenen.
  3. Sucht euch einen kompetenten Händler. Ja, die Empfehlung klingt plump,aber wenn ich ne gute Pizza will geh ich auch zum Italiener und nicht zum Türken. Ein guter Laufschuhverkäufer wird euch Fragen stellen, dazu was ihr bisher gelaufen seid, wo ihr lauft (also Untergrund), wie oft usw. um euch den besten Schuh zu empfehlen.Neben den Spezialhändlern haben auch viele Ketten wie Sportscheck, Runnerspoint, Karstadt Sport und co Laufbändern in den Läden, um die Schuhe zu testen, nutzt diese Möglichkeit wenn man sie euch anbietet.
  4. Nehmt euch Zeit. Die Suche nach dem richtigen Schuh kann dauern, die Auswahl meines letzten hat z.B. 1h gedauert aus 5 Modellen. Aber am Ende habt ihr einen Top-Schuh in euren Händen der euch viele Kilometer begleiten wird.
  5. Nur weil der Vorgänger toll war ist es der Nachfolger nicht automatisch. Hersteller neigen leider dazu Modelle in guter Absicht zu „verschlimmbessern“. Probieren, Testlaufen und auf sein Bauchgefühl hören helfen hier weiter.
  6. Bleibt nicht zwingend bei eurer Lieblingsmarke. Grade bei den Laufschuhen gibt es genug die auf eine Marke schwören. Das ist nachvollziehbar, aber man sollte immer Produkte anderer Marken ausprobieren und hier auch verschiedene Modelle. Die Hersteller schneiden und produzieren tw. innerhalb der eigenen Markenlinien so differenziert, dass dir der Kilometerfresser der Marke A super passt, aber leider der WK-Schuh davon nur zu 80%. Und dann schadet es nicht sich mal den WK-Schuh des Mitbewerbs anzusehen.
  7. Spart nicht am falschen Ende. Schuhe kosten, eine Preisspanne von 80-180€ für ein gutes paar Schuhe ist durchaus realistisch. Seid nicht knausrig, wenn ihr einen guten Schuh gefunden habt, er ist euer Hauptkontakt zur Straße und wird euch lange begleiten. Ein Bier oder ein Vanilla spiced Latte weniger die Woche um euch den Schuh zu leisten bringt euch nicht um, aber ein nicht idealer Schuh, weil der supertolle zu teuer war wird euch Nerven kosten.

Ich hoffe wir konnte euch mit diesem Beitrag ein bisschen Klarheit im Laufschuhdschungel verschaffen und euch ein paar Tipps geben, um den passenden Schuh zu finden. Beim nächsten Mal zeige ich euch mein Schuharsenal und erkläre,warum es sinnvoll ist mehr als ein paar Laufschuhe zu laufen ;).

Euer @Rehspeck

Folge Rehspeck:

Key Account Manager

11 x Marathon Finisher,Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. Läuft 2018 in Valencia, Berlin, Kopenhagen. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done.

2 Antworten

  1. […] davon sind Supinierer für die der Markt bisher wenige Schuhe hergibt. Wir sind in unserem Artikel „Zeigt her eure Füße“ schon auf die Komplexität der Schuhwahl eingegangen und gerade bei Anfängern ist diese noch […]

  2. […] kurzem habe ich versucht euch im Post über Laufschuhe etwas Hintergrundwissen und Tipps zur Schuhwahl zu geben. Wie im Artikel versprochen, möchte ich […]

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