3 Tage Tour de Tirol – Flach kann ja jeder!

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Wie ihr nun schon alle wisst, war mein Herbstziel die Tour de Tirol, ein 3-Tages Trailrennen mit 75km in den Bergen um Söll in schönen Tirol. Letztes Wochende war es dann soweit und ich will euch kurz erzählen wie es mir erging.

Wettkampftag 1: Söll Zehner (10k,255HM)

Ich reiste mit dem Auto an, war dann gegen 16h in Söll, also genug Zeit mal das Startsackerl zu holen und im Hotel einzuchecken. Um 18h war der Start des Söll Zehners geplant, 3x musste eine 3,3km lange, coupierte Runde (255 Höhenmeter gesamt) absolviert werden. Neben den 500 Gesamtstartern, gab es wie bei jedem Wettbewerb auch die Möglichkeit des Einzelstarts und hier besonders, die der Staffel. Um 18h jagten wir alle bei angenehmen 16 Grad los los und der Plan war klar: schnell aber nur nicht überpacen. Die ersten 1,9km der jeweiligen Runde waren flach bis ansteigend (Für die Berliner: i.e. der Anstieg des Insulaners nur länger), der Rest führte bergab wieder zum Start zurück – hier konnte man gut Tempo machen. Am Ende kam ich nach 44:19min ins Ziel, als 19 in meiner AK und 140.ster gesamt. Aber ich machte mir ein bisschen Sorgen, dass es doch nen Tick zu schnell war und ich am Tag 2 eventuell dafür bezahlen musste.

Wettkampftag 2: Kaisermarathon (42.195m,2345HM)

Der zweite Tag begann gegen 6h, denn der Start des Kaisermarathons war um 1h auf 8.30 vorverlegt worden. Dazu kam auch die „Neuigkeit“, dass die trailigere Strecke mit wohl nochmal 300 Höhenmetern mehr aufwarten würde – im Gegensatz zum letzten Jahr wurde nämlich die Streckenführung geändert. Nur mehr 15% Asphaltanteil gab es heuer, dafür mehr Wanderwege und Singletrails. Die große Frage nach „Was zieh ich mir bei nem Marathon an, wenn ich von 650m Seehöhe auf max. 1828m raufrenne“ wurde pragmatisch gelöst – kurz/kurz aber Laufrucksack und ne dünne Jacke drin. Um 8.30 starteten wir los, immer in Kopf die Cutoff-Zeiten bei den 3 Punkten der Strecke (49min bei 7k, 2:30h bei 19,5k und 5h bei 34,6k).

Mein Raceplan war klar, bis km 24 (dem Ende des ersten groben Anstiegs auf 1600m) defensiv und vorsichtig und ab dann versuchen Gas zu geben. Die ersten 9km wurden größtenteils auf Asphalt bzw. einigen Wanderwegen gelaufen, ab dann begann die trailigere Strecke, wo wir bis km 16 nochmals gute 300 Höhenmeter zu absolvieren hatten. Diese waren teilweise laufbar, teilweise ging ich die Strecken aber auch schnell. Dann begann der harte Anstieg, von 800m Seehöhe ging es rauf bis 1612m bei km 25 – zuerst über Forstwege, dann Wanderwege und einfache Almwiesen. Auch hier gab es wieder Abschnitte, dich ich (und viele andere) nicht laufen konnte, aber dann wurde eben schnell gewandert. Dazu meinte es der Wettergott nicht so gut mit uns und Wolken verhüllten immer wieder die Sicht ins Tal. Nach dem Durchlauf eines Gasthofes (ja, wirklich mitten durchs Lokal) bei 25km sah ich meine Zeit gekommen: Es ging bergab oder flach dahin und ich konnte hier richtig Tempo machen (schnellster KM hier im 4:22 Schnitt) und einige anderen ein- und überholen. Das Ziel der Hohen Salve trohnte über uns und kam immer näher und nach knapp 4h passierte ich den letzten Checkpoint am „Hexenwasser“ bei km 34,6 – dies bedeutet noch 700HM zum Ziel.

Über ein Lifttrasse ging es erstmal 400Hm bergauf, auch hier mehr wandern als gehen,aber dann wurde es wieder laufbar und dies bis km 40,5 – der letzten Labe. Nochmal ein Stück Schoko, ein Blick nach oben (Wolken), einer auf die Uhr (noch 200 Höhenmeter) und ich machte mich auf den Weg. Die Wolken gaben immer wieder den Blick auf die Bergstation der Seilbahn auf die Hohe Salve frei, man hörte den Moderator oben, aber die verbleibenden 1,8km erschienen unendlich. Dann war der Zielbogen in Sicht – am Ende eines letzten Hügels. Ich mobilisierte meine letzten Kräfte und rannte los – die Waden und Oberschenkel brannten – noch 50m-40m-30m-20m-10m, Arme in die Höhe und durch Ziel in 5:18:05h – bejubelt von sehr viele Zusehern, die hier oben auf uns Athleten warteten und als 24 in meiner AK. Nach Empfang der Medaille führte der erste Weg zur Labe – Suppe, Brot, Schoki, Kuchen – ich hab alles aufgesaugt, was ich finden konnte und dann gleich umziehen, um sich nicht zu erkälten- das Gepäck wurde ja praktischerweise hochgebracht. Bei der Gondelfahrt nach unten setzten sich langsam die Eindrücke und das Wissen heute gut gelaufen zu sein und dass Tag 3 auch noch zu schaffen sein wird.

Wettkampftag 3: Pölven Trail (23,4km/1240HM)

Vor diesem Tag hatte ich in meiner Vorstellung den meisten Respekt- ich konnte nicht einschätzen wie es beim Pölven Trail zu Laufen wird, mit zwei Rennen in den Beinen und dem Wissen, dass es nochmal über 1200 Höhenmeter zu bewältigen gibt. Aber als ich morgens dann aufstand waren die Beine bis auf ein leichtes Ziehen in der Waden sehr locker und so ging ich trotz Nieselregen positiv an den Start. Die Strecke rund um den Pölven hatte es in sich. Es ging gleich direkt auf den anspruchsvollen und teilweise von Regen sehr weichen Trail, aber am Beginn war das Tempo aufgrund der Menge an Läufern und einem leichten Staueffekt nicht so hoch. Als sich dieser nach ca. 3km auflösten, war es ein Genuss zu laufen – es ging durch Wälder, über Bäche und Wanderwege entlang, dazwischen immer wieder schöne Anstiege und rasante Läufe bergab. Bei KM 14 kamen wir durch den Steinbruch in Bad Häring und es folgte der letzte Anstieg dieser Tour mit 400HM auf das 1160m hohe Juffinger Jöchl. Ab hier hieß es nochmal Gas geben auf den letzten 6km bis ins Ziel. Auf den letzten 3 legte ich wirklich nochmal den Turbo ein, denn ich sah dass eine Gesamtzeit unter 8:45h möglich war, das wollte ich unbedingt versuchen. So lief ich (mit Trailschuhen!), die letzten 2 km in 4:05er Schnitt und kam überglücklich nach 2:41:55h als 38.ter meiner AK ins Ziel.

Bei der Siegerehrung wurden alle Gesamtfinisher der Reihe nach auf die Bühne gerufen um sich die Jubiläumsmedaille abzuholen, am Ende hatte ich es mit 8:44:19h knapp geschafft unter den 8:45h zu bleiben und beendete das Rennen als Gesamt 129. und 18. in meiner AK. Der Sieger bei den Herren hieß wie im Vorjahr Robbie Simpson, ein sympatischer Schotte aus Bayern,der die Strecke in 5:31:42h bewältigte. Es war sein dritter Gesamtsieg bei der Tdt. Sein Pendant bei den Damen kommt mit Jasmin Nunige aus der Schweiz und benötige 6:58:56h für den Bewerb, auch für Sie war es ihr dritter Gesamtsieg,

Fazit: Ein anspruchsvolles 3 Tage Rennen in den beeindruckenden Kulisse der Tiroler Berge. Der Bergmarathon am Sa wurde durch die 300 zusätzlichen Höhenmeter und die Verringerung des Asphaltanteils nochmal härter, was bei einigen auch ihre Tribut durch Aufgabe bzw. Cutoff forderte. Generell ist zu sagen, dass der Cutoff für den Bergmarathon etwas weiter gefasst werden sollte, die 5h beim Hexenwasser (34,6km und ~1700HM in den Beinen) sind eine nicht zu unterschätzende Hürde. Die Veranstaltung ist aber sonst sehr gut organisiert, die Verpflegungsstationen reichlich und gut bestückt und generell wird einem für die 155€ Startgebühr viel geboten (3 Rennen, 2 Medaillen,1 Finishershirt, 1 paar Calfsleeves,1 Softflasche und Buff). Um sicher durchzukommen,solltest du einen Marathon unter 4h schaffen und dazu in der Vorbereitung mehrere langere Läufe mit Höhenmetern (700-1200m) absolvieren, um dich an die Anstregung zu gewöhnen.

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11 x Marathon Finisher,Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. Läuft 2018 in Valencia, Berlin, Kopenhagen. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done.

8 Responses

  1. […] Letzten Sommer war es dann soweit, auch weil ich immer öfter im Gelände unterwegs war und mit der Tour de Tirol ein 3 Tages Trailrennen lief. Trotzdem werde ich jetzt nicht zum Datennerd, mir reicht Distanz und […]

  2. Markus
    | Antworten

    Sehr geile Aktion! Würde mich auch reizen!

    • Rehspeck
      | Antworten

      Dann anmelden ab Anfang Jänner, ist es definitiv wert und die Gesamtstartplätze sind auf 500 begrenzt ;). Wenn du einen Hoteltipp brauchst oder mehr Infos steh ich dir gerne zur Verfügung

    • Lisa K
      | Antworten

      Und mir Bescheid geben Markus, dann komm ich zuschauen 😀

      • Mietze
        | Antworten

        Hehe. Ein Bloggertreffen in Tirol. Ich wär dabei:-)

  3. Micharl
    | Antworten

    Schöner Bericht… Beeindruckende Leistung!
    Ich wäre schon beim 10km-Lauf beim ersten Cutoff raus und die anderen Läufe sind ganz weit weg….

    • Mietze
      | Antworten

      jap das würde mir auch so gehen….keine Ahnung wie der Rehspeck das macht…

    • Rehspeck
      | Antworten

      @micharl: Danke für dein Lob. Ja, das Rennen war anstrengend, aber ich glaube dass es mit ein bisschen Vorbereitung durchaus für jedermann schaffbar ist. Aber natürlich haben wir Österreicher durch die geographischen Gegebenheiten einen kleinen Vorteil 😉

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