Die Wörthersee Trail Maniak 35k Challenge – Pink is my new obsession

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Wie aufmerksame Leser gemerkt haben, schreibt die Mietze nicht mehr allein am Blog, sondern hat von mir etwas Verstärkung bekommen. Ich bin Rehspeck, Österreicher und Marathonläufer mit ner 2:57h Bestzeit (mehr von mir gibts hier). Ich werd Mietze bei den technischen Themen des Laufens (wie hier über Speedwork) supporten und nebenbei von ein paar Rennen, wie schon über den Hamburgmarathon, berichten.

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, trainiere ich brav für mein heuriges Herbsthiglight, die Tour de Tirol, ein 3-Tages Rennen mit 75km und 3500 Höhenmetern. Obwohl ich meinen Trainingsplan brav verfolge, fehlte mir noch immer ein bisschen die Überzeugung, dass mir an Tag 2 der TDT beim Kaisermarathon eventuell doch die Grenzen aufgezeigt werden könnten. Aus diesem Grund traf es sich gut, dass am 19. September der Wörthersee Trail-Maniak im Kalender stand. So entschloss ich mich relativ spontan 2 Wochen vorher dazu, hier über die Challenge Distanz von 35km teilzunehmen.

Trail Maniak – Von Harten und Superharten am Rundwanderweg um den Wörthersee

Der Trail-Maniak ist ein Laufveranstaltung, die 2015 zum 7.ten Mal am Wörthersee stattfand, und zur Ultralaufserie gezählt wird, hierbei werden unterschiedliche Streckenlägen am Rundwanderweg um den Wörthersee gelaufen. Die Härtesten (Superior) gehen über 2 Runden mit 120km und 3372 Höhenmetern an den Start, die Ultraläufer über 60km und 1686 Höhemeter, die Challenge Teilnehmer bewältigen 35,7km und 860 Höhenmeter und quasi als Einstiegsstrecke gibt es eine 15km Sprintdistanz mit 508 Höhenmetern. Heuer nahmen an den unterschiedlichen Bewerben knapp 500 Personen teil.

Trailrunning unterscheidet sich stark von den Roadraces, es geht hier durch die geringere Teilnehmerzahl wesentlich familiärer zu, die Zeit ist nicht das Hauptkriterium, sondern vielmehr die Challenge an sich selber und das Laufen in der Natur. Die Mietze konnte ich davon bisher ja noch nicht begeistern, aber vielleicht wird das ja noch. Aber nun zum Rennen.

Pinke Markierungen und bloß nicht zu schnell

Nachdem die Superior Starter schon Fr. um 22h gestartet sind, und die Ultras seit 8h am Sa auf der Strecke liefen,war  es um 10.30h am Pyramidenkogel auf 850 Metern Seehöhe (hier war ich mit Mietze auch im Kärntenurlaub) auch für uns so weit.Die Teilnehmer der Challenge wurden mit Schuttlebussen hierher gebracht, es gab eine Gepäckabgabe vor Ort (generell war das Event super organisiert) und vor dem Start konnten wir noch einige der Superior und Ultrastarter anfeuern, die hier oben den ersten Checkpoint hatten (Jeder Teilnehmer muss an 4 Checkpoints die Startnummer abzwicken, so wird sichergestellt das niemand abkürzt und nur dann gibts die Medaille)

Um 10.35h fiel der Startschuss und zuerst ging es mal rasant auf Forstwegen und Wanderpfaden 6km und 400 Höhenmetern im 4.30er Schnitt den Berg hinab nach Reifnitz. Die Maxime hier : immer der pinken Markierung in Form von Tafeln, Bändern an Bäumen oder Punkten und Pfeilen am Waldboden folgen. Ich hielt mich bewusst eher in der Mitte des Feldes, denn ich wusste, dass der schwierigste Teil ab der Halbzeit in Klagenfurt beginnt und man auf den ersten Kilometern nicht viel gewinnen, aber alles verlieren kann. Dann beim Anstieg zu den Spintikteichen (~150 Höhenmeter) sehe ich schon, dass die Taktik richtig war, denn die ersten kämpfen schon mit dem Tempo und ich kann einige einholen und hänge mich an eine sehr sportlich aussehende Dame in meinem Alter. Die Spintik Teiche, ein Naturschutzgebiet, sind immer wunderbar zu Laufen, aber technisch schwierig – auf dem Weg um den See gibt es viele Wurzeln und teilweise läuft man direkt am abfallenden Ufer mit der Gefahr ne feuchte Landung zu machen. Wir bewältigen die Strecke um den Teich gut,finden Checkpoint 2 und auch der folgenden Anstieg zur Friedelhöhe auf 660m Seehöhe durch den Wald geht unverhofft leicht – Dabei bieten sich einem teilweise spektakuläre Ausblicke auf den Wörthersee. Es geht wieder bergab und dann leider 3km auf Asphalt (unangenehm in Trailschuhen) bis zum Strandbad Klagenfurt zu ersten Labe

Der Rennleiter hatte recht mit „Die letzten 10km sind die härtesten“

Bei der Labe treffe ich Basilia aus Italien, eine Superior Dame, die hat gerade 100km in den Beinen und sieht aus als wäre sie mit uns vor Kurzem gestartet. Ich klatsche ihr noch Beifall, während ich an der Labe 3-4 Trailkekse verputze und noch 2 Becher Iso zu mir nehme. Die junge Dame (übrigens Maria von befit-befast), mit der ich bisher gelaufen bin, verlässt die Labe knapp 30sek vor mir aber bald hab ich sie wieder eingeholt und wir laufen zusammen den ersten der vier Anstiege auf der zweiten Häfte hoch. Wieder ergibt sich ein wunderbarer Ausblick, diesmal auf das Ostufer des Wörthersees, während wir die 120 Höhenmeter zu Zillhöhe rauflaufen, nur um kurz danach schon wieder durch den Wald 90 Höhenmeter Vollgas runterzulaufen. Bergab verlier ich immer wieder etwas den Anschluss an Maria, bergan bin ich anscheinend etwas schneller und so wechseln wir uns immer wieder ab. Auf der Strecke überholen wir jetzt einige Ultra und Superior Teilnehmer, jeder bekommt ein paar aufmunternde Worte, denn ihre Leistung ist einfach herausragend. Das „Noch 15Km“ Schild taucht auf und nun wirds nochmal grob – Anstieg Nr.2/4, diesmal zum Schloss Drasing (150 Höhenmeter). Eine steile asphaltierte Straße und dies ist in Trailschuhen leider gar kein Vergnügen und dann gehts rasant wieder den Berg runter, ab nach Pirk zum Friedhof.

Im Race Briefing meinte der Veranstalter „Wenn ihr hier müde seid, überlegt euch hierzubleiben, denn die letzten 10km sind härtesten“ – Er sollte recht behalten. Nach 25km ist die Muskulatur nicht mehr so frisch und der Anstieg zum Pirkkogel  ist mit 1,3km zwar kurz, aber mit 130 Höhenmetern auch sehr steil. Teilweise gehe ich kurze Abschnitte, weil Laufen auch nicht schneller wäre (und das ist beim Trailrunning durchaus normal) aber irgendwann bin ich oben und Checkpoint 3 erreicht.  Es geht runter, die Labe Nr. 2 soll nur 1km entfernt sein, aber leider stolpere ich und kann meine Landung nur mit einer unangehmen Stellung meines rechten Fußes abfangen, bei der ich umknicke. Ich bin aber schnell wieder auf den Beinen – es schmerzt zwar leicht aber Aufgeben is nicht. Bei der Labe hat mich Maria wieder eingeholt, nochmal Trailkekse und ne Cola und auf zum letzten Anstieg. Wir quatschen und das Ziel unter 3:30h wurde ausgegeben, das wollen wir packen. Die Uhr sagt noch 7 km und es geht wellig dahin, über Wurzeln, Steine und Waldboden, immer wieder 30Höhenmeter rauf und dann wieder runter bis zum Finale am Hohen Geißrücken, nochmal auf 100 Höhenmeter rauf. Mir entkam ein „Langsam reichts aber“, Maria sah es ähnlich, aber dann gings endlich final bergab, 3 Km in vollem Tempo,vorbei an Checkpoint 4 Richtung Pörtschach und Ziel, welches wir schon hören konnten. Noch eine Schleife entlang der Seepromenade und dann kamen die Zielbogen in Sicht. Am Ende überquerten Maria und ich die Ziellinie gemeinsam bei 3:28:00, sie als 3. Frau und ich als 14. gesamt und 7 in der AK. Wir erhalten glücklich unsere Medaillen und stürzen uns dann auf die Ziellabe mit Kuchen, alokoholfreien Bier, Suppe und Obst. Zum Ende des Tages und quasi „cool down“ springe ich noch in den 21 Grad warmen Wörthersee und schwimme ca. 10min, das ideale Mittel um die Müdigkeit aus den Beinen zu bekommen.

Fazit: Die Tour de Tirol kann kommen und der Kaisermarathon mit seinen 2300 Höhenmetern macht mir etwas weniger Sorgen 🙂

 

PS: Basilia, die Superior Dame, die ich in Klagenfurt traf, kam etwa 20min nach uns mit einer Gesamtzeit von 15:45h ins Ziel, das ist ein beeindruckender 7:52min Schnitt auf 120km. Bei den Männern gab es einen Doppelsieg, die beiden benötigte 12:57h für die Distanz und liefen Hand in Hand ins Ziel (auch so ein schönes Symbolbild für Traillaufen). Die Siegerzeit am Ultra (60km) betrug 5:09 bzw 6:42.  In der 35kmChallenge hat uns der Sieger, ein Bekannter von mir, um knapp 30min abgehängt (2:57), die beste Frau finishte in 3:22h. Und bei den Sprintern benötigte der schnellste Mann 1:13, die schnellste Frau 1:31 für die 15,3km

Folge Rehspeck:

Key Account Manager

11 x Marathon Finisher,Immer und überall Läufer. 2:57h Marathon PB. Läuft 2018 in Valencia, Berlin, Kopenhagen. Running the Six: Berlin,Boston,Chicago ✔ NYC,LDN,TKY to be done.

2 Responses

  1. […] das Finish des Superior Bewerbs über 120km beim Wörthersee Trail Maniak heuer (bei den ich über 35km angetreten bin), als die beiden Athleten, die die 2.te Runde fast komplett zusammen liefen, am Ende gemeinsam Hand […]

  2. […] das Finish des Superior Bewerbs über 120km beim Wörthersee Trail Maniak heuer (bei den ich über 35km angetreten bin), als die beiden Athleten, die die 2.te Runde fast komplett zusammen liefen, am Ende gemeinsam Hand […]

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