Medizinische Notfälle bei Wettkämpfen? Das totgeschwiegene Thema!

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Das der Laufsport und regelmäßige sportliche Aktivität die Gesundheit positiv beeinflussen, Krankenheiten vermeiden und allgemein zu Notarzt-Einsatzeinem fitteren und vitaleren Körpergefühl führen ist bekannt. Doch wieso kommt es dann immer wieder zu solch tragischen Zwischenfällen wie erst kürzlich in Frankfurt beim Iron Man. Ein 30-jähriger Brite verstarb 3 Tage nach dem 12 stündigen Wettkampf an den Folgen einer Hyponatriämie. Dadurch kommt es zu Veränderungen des Wasserhaushalts und letztendlich zur (in diesem Fall tödlichen) Gehirnschwellung.  Auch plötzliche Herztode kommen immer wieder vor. Erst im letzten Jahr starb ein 16-jähriges Mädchen nach einem Halbmarathon in Virginia an akutem Herzversagen…wie oft kommt sowas vor und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert. Was machen die Notärzte überhaupt bei solchen Wettkämpfen. Welche Verletzungen müssen sie außerdem versorgen?

Damit beschäftigte sich im letzten Jahr eine Gruppe von Forschern aus Südafrika. Sie studierten alle Starter der letzten 4 Jahre des Two Oceans Marathon. Insgesamt waren das ca 65.0000 auf der 56km Distanz und ca 26.000 auf der klassischen Halbmarathondistanz.

Welche Läufer galten als Patienten

Ein Läufer mit einem medizinischen Problem wurde hier per Definition festgelegt als jemand, welcher auf der Strecke, im Ziel oder am selben Tag in einem Krankenhaus  von einem Arzt behandelt werden musste. Diese Definition schloss nicht lebensbedrohliche Komplikationen aus, die von einem Sanitäter oder Physiotherapeuten behandelt werden konnten. Eine lebensbedrohliche Komplikation war hiernach ein Geschehen, welches ohne sofortige Behandlung zum Tod des Patienten führen konnte.

Ergebnisse

Insgesamt kam es zu 545 medizinischen Vorfällen innerhalb der 4 Jahren. 0.827% aller Starter benötigten also medizinische Hilfe auf der Strecke. Das sind 8.27 Personen pro 1000 Starter. Dabei gab es nur halb so viele hilfesuchende Sportler bei den Halbmarathonläufern (5,14 von 1000)  im Vergleich zu den Ultraläufern (12,98 zu 1000).

AMI_schemeNur 37 der insgesamt 545 Personen, die medizinische Hilfe benötigten waren in einem lebensbedrohlichen Zustand, wobei diese Notfälle gleichmäßig auf beide Distanzen verteilt waren (0.56 von 1000 Läufern). Diese beinhalteten zwei Todesfälle auf der Halbmarathondistanz (0.05 pro 1000 Läufer). Dieses Todesfälle waren auf ein Herzversagen zurückzuführen. Außerdem wurden 3 Personen nach Durchblutungsstörungen des Herzens wiederbelebt und  je 2x Herzmuskelentzündungen und Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. 9 Personen litten an der schon oben erwähnten Hyponatriämie oder auch Wasservergiftung, 7 Läufer litten unter temperaturbedingten Erkrankungen (Sonnenstich…), je 2 erkrankten an einem Lungenödem oder Bronchospasmen (Asthma) und andere litten unter Entgleisungen des Elektrolythaushaltes.

508 Personen mussten sich wegen nicht lebensbedrohlicher Erkrankungen in Behandlung begeben. Sie litten nach Häufigkeit geordnet an:

  1. niedrigem Blutdruck
  2. Hautverletzungen, Schürfwunden
  3. Verletzungen des muskuloskelettalen Systems
  4. Erschöpfung und Krämpfe
  5. Gastrointestinale Beschwerden

Insgesamt zeigte diese Studie auch, dass Frauen und ältere Läufer eine größere Wahrscheinlichkeit hatten das Rennen nicht zu beenden. Wieso konnte allerdings nicht gezeigt werden.

Was bedeutet das für uns?

Was du aus dieser Studie mitnehmen sollten, ist das eine gute Vorbereitung durch nichts zu ersetzen ist. Wer weiß ob der plötzliche Herztod der 2 Läufer und die herzassoziierten lebensbedrohlichen Zwischenfälle nicht durch eine ärztliche Sportuntersuchung hätten vermieden werden können? Inzwischen ist in Europa auchschon verbreitet, dass man vor einem Wettkampf ein ärztliches Attest einreichen muss um eben jene Risikokandidaten schon vorher zu erkennen. Außerdem sollte man natürlich selber dafür Sorge tragen nur gesund an den Start zu gehen und entsprechend vorbereitet zu sein. Eine Hyponatriämie und andere Entgleisungen des Elektrolythaushaltes können durch ausreichende Salzzufuhr während des Wettkamps vermieden werden. Dafür sind viele Präperate auf dem Markt in Form von Tabletten oder Brausetabletten.

Auch die Schürfwunden der Haut welche beim Ausdauersport wohl hauptsächlich auf unpassende Kleidung oder fehlendes Eincremen zurück zu führen sind, könnten mit einer besseren Vorbereitung reduziert werden. Ebenso die gastrointestinalen Beschwerden können mit einer entsprechenden Vorbereitung (Testen der Verpflegung im Training) vermieden werden.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht vorkommen kann, aber gerade dies sind Dinge, denen man sich vorher bewusst sein muss und in die es sich lohnt Zeit zu investieren, wenn man sich gezielt auf eine längere Distanz vorbereitet.

!Take Home Message!

Sei vorbereitet wenn du in einen Wettkampf gehst und lass dich regelmäßig ärztlich untersuchen um grundlegende Probleme frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen! Trinke bei Wettkämpfen und im Training möglichst isotonische Getränke( auch wenn es kühler ist) und höre auf die Signale deines Körpers, damit du auch die nächste Ziellinie lächelnd überqueren kannst.

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9 Responses

  1. Andreas
    | Antworten

    Gut, dass du dieses interessante Thema mal angesprochen hast!

    Interessant dazu sind übrigens auch die Artikel auf Wikipedia zum Plötzlichen Herztod und Plötzlichen Herztod bei Sportlern. Da hat mich erstaunt, dass die „gefährlichsten“ Sportarten in der Reihenfolge Triathlon, Basketball, American Football, Fußball und erst dann Laufen genannt werden…

    • Mietze
      | Antworten

      mhh ja ich muss auch sagen, man hört es sehr oft, dass ein Fussballer auf dem Platz verstirbt. Aber da ist die Berichterstattung natürlich auch etwas anders.

      • Flo
        | Antworten

        Da ist das ganze ja auch viel medienwirksamer wie der Fall “Foe” um 2000 rum gezeigt hat.

        • Mietze
          | Antworten

          huh klär mich auf was ist das? 2000 war ich grad mal 13 und hab mit Furbys gespielt:-)

          • Florian
            |

            Oh, okay 😀 hihi – 2003 war es um genauer zu sein 😉 Da warste also schon 16 und hattest hoffentlich keine Furbys mehr 😀

            Marc-Vivien Foe war ein recht bekannter Fußballer aus Kamerun und kollabierte ohne Fremdeinwirkung aufgrund von plötzlichem Herzversagen und das mitten unter dem Spiel.

          • Mietze
            |

            ah ok ja davon hab ich auch gehört. Das passiert ja traurigerweise öfter einmal

  2. Julia
    | Antworten

    Sehr interessant! Und absolut richtig! Es sind wohl vor allem eine fehlende medizinische Untersuchung im Vorfeld und die Fehleinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, die zu (lebensbedrohlichen) Zwischenfällen führen.
    Allerdings darf man meines Erachtens auch eines nicht vergessen: Jeden Tag sterben Menschen auch so (d.h. nicht während eines Wettkampfes) an Herzversagen. Bei einer großen Laufveranstaltung, bei der 30.000 Läufer an den Start gehen, dürfte rein statistisch auch einfach eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass ein solcher Zwischenfall auftritt.
    Es wäre interessant zu wissen, wie die Statistik zum Beispiel bei anderen Großereignissen /-veranstaltungen aussieht (die nichts mit sportlicher Betätigung zu tun haben).

  3. Carola
    | Antworten

    Ein sehr schöner Bericht! Ich hatte ja diesjahr selbst das “Vergnügen” eines Komplett-Checks im Benjamin-Franklin nach dem Berliner HM und vor 2 Jahren hatte ich eine sportmedizinische Untersuchung fürs Marathonlaufen durchführen lassen. Ich denke, das ist wichtig und gibt einem selbst und den Lieben eine gewisse Sicherheit und Ruhe.

    Nichtsdestotrotz sollte immer auch der gesunde Menschenverstand mitlaufen 😉

    • Mietze
      | Antworten

      Jap der gesunde Menschenverstand bleibt bei dem Tunnelblick den man entwickelt leider etwas im Hintergrund…

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