Von der Sportnull zum Marathon

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Im Sommer 2011 machte ich die Prüfungen für mein 2. Staatsexamen in der Tiermedizin und verkroch mich wie immer für 6 Wochen in meinem kleinen Kämmerlein. Ich lernte, lernte und lernte und bewegte mich kaum. Nach und nach nahm ich zu. Im September dann machte ich ein Praktikum bei einer Tierarztpraxis und stellte mich dort auf die Hundewaage. Brrr die zeigte 67kg bei 1.62. Natuerlich war ich angezogen. Also dürften es wohl so 65 kg gewesen sein, die ich zu dem Zeitpunkt wog. So gehts nicht mehr, dachte ich mir. Ich musste mir staendig neue Kleidung kaufen und das ist irgendwie schon sehr demotivierend, wenn man immer größer statt kleiner kaufen muss! Klar war ich nicht doll dick, aber schon knuffig und wohlgefühlt hab ich mich so nicht mehr.

Also fing ich im November an weniger zu essen. Radikal weniger. Im Dezember wog ich knapp unter 60kg und mir war staendig kalt…Ich wusste, dass es falsch war, aber irgendwie hab ich sonen Anstoß gebraucht, aber als ich dann staendig fror, hat mich das aufgerüttelt. Ich frier sonst nie! Ich bin DER Wintermensch überhaupt und mir ist immer warm. Ich begann mich bei den Naschkatzen einzulesen, rechnete nach der Forumstabelle meine KCal aus und aß an normalen Tagen 1800kcal und an Sporttagen 2100. Meine Abnahme stagnierte relativ lange. Im Mai 2012 war ich dann bei 57kg und fand mich gut. Ich hörte auf zu zählen und probierte normal zu essen.

Das Zaehlen war mir allerdings so ins Blut übergegangen, dass das etwas Überwindung kostete und am Anfang habe ich eigentlich alles noch geschätzt und überschlagen!

Am 07.12.2011 meldete ich mich bei uns im Fitnessstudio an. Bei meinem Probetermin stand ich auf dem Crosstrainer und konnte mich nicht mit der Trainerin unterhalten und gleichzeitig crossern. Puuuhh ernüchternd. Ich war in der Kindheit sportlich und habe 6 Jahre Leistungssport (Eissschnelllaufen) in der Grundschule gemacht. Nebenbei ging ich noch zur Akrobatik. Nach einem schlimmen Unfall habe ich meine Schlittschuhe an den Nagel gehangen und mich nicht weiter mit Sport beschäftigt. In der Oberstufe habe ich es gehasst. Ich hatte nie Spaß an irgendwas und war auch dementsprechend schlecht! Was war ich froh, als ich Abi gemacht hab und endlich keinen Sportunterricht mehr ertragen musste.

Nun ja aber das Konzept hinter Sport leuchtete mir schon ein und fit sein kann ja nie schaden, daher entschied ich dem ganzen noch eine Chance zu geben. Ich ging anfangs 2-3x Woche ins Fitti und besuchte Bauch Beine Po Kurse und verbrachte immer etwas Zeit auf dem gehassten Crosser. Zeitgleich begann ich mit dem Laufen!
Ich!! Zitate wie: „Laufen?? Boah das is ja das langweiligste überhaupt, Sowas würd ich nie tun“ stammten aus meinem Mund!
Meine Freundin lief aber sporadisch und ich dachte, hey wenn sie das kann, kann ich das auch. Na ja Pustekuchen. Ich konnte gar nicht.

Ich habe wirklich ganz langsam mit Geh/Lauf Intervallen angefangen. Es dauerte lange bis ich mal 20min durchlaufen konnte und man da war ich stolz.

Nach und nach veränderte sich meine Figur. Ich nahm nicht ab, aber sah doch anders aus. Beim Sport lies ich langsam die Bauch Beine Po Kurse hinter mir und fasste mir ein Herz und ging zu BodyPump. Die beste Entscheidung, denn ich liebe es einfach.Endlich hatte ich was gefunden, was mir wirklich Spaß macht. Nun ging ich also 3x die Woche zu Pump und lief nebenbei noch sporadisch. Im August 2012 dann war der B2Run, an dem meine Firma teilnahm. Der sollte 6km lang sein und ich dachte: Das schaffst du, meld dich an! Von da an hatte ich mein erstes Laufziel! Beim B2Run selbst kam ich nach 42min für 5.8km ins Ziel.

Mein Ehrgeiz war geweckt und in der selben Woche lief ich noch 2! weitere Wettkämpfe. Bei beiden finishte ich die 5km in genau 34,14min. Ich beschloss auf die 10km hin zu trainieren. Im Oktober sollte in Berlin ein 10km Lauf sein. Dieser wurde mein erster. Ich finishte letztendlich in 1.05.07h. Beim Laufen merkt man einfach das die Arbeit was bringt. Die Zeit ist sicher für viele total schlecht, aber für mich war es das beste überhaupt. Ich konnte durchlaufen und hatte Spaß. Das war es was zählte. Hatte ich meinen Sport gefunden?? Konnte das sein? Ich, die Laufen hasste? Es schien so!

Ich lief und lief und lief und im November legte ich das erste Mal im Training die Halbmarathondistanz zurück. Das ganze war eher ungeplant. Ich wollte nur 15km laufen und dann dachte ich: Ey beweg deinen Hintern, was sind schon 6km. Ich brauchte 2.45h für meine erste HM Distanz und meldete mich dann für den Berlin HM im April an.
Über den Winter verlies mich der Läufermut leider etwas. Ich war 2 Wochen relativ stark krank und verpasste so irgendwie die Umstellung von Herbst zum Winter. Brrr war das auf einmal kalt da draussen. Nein, also da kann man ja nicht laufen:D
Als Ausgleich kaufte ich mir meinen eigenen kleinen Crosser. So stand ich dann öfter zu Haus drauf und betätigte mich sportlich!

Ich lief außerdem dreimal die Woche im Fitti auf dem Laufband und verlor langsam wirklich die Lust am Laufen. das Laufband machte mich schon fast depressiv. Auch heute geh ich lieber draußen laufen.
Anfang Februar wurde es ja aber wieder warm. Ich glaub wir hatten hier 10°C mit Sonnenschein und ich erinnerte mich an meinen nahenden HM. Also schnürte ich meine Schuhe und stiefelte los. 20km einfach so. Ich war baff!! Wenn ich das einfach so laufen, nur mit dem mickrigen Laufbandtraining im Winter, was steckte dann in mir?? Mein Ehrgeiz meldete sich wieder und ich blieb dabei. Selbst als es wieder kälter wurde, lief ich draußen und trainierte weiter auf meinen HM hin.
Am 07.04. war es dann soweit. Ich kam nach 2.28h ins Ziel und war wieder mal total stolz und überrascht von mir selbst. Sofort meldete ich mich für einen weiteren HM an. Der sollte im Juni in Potsdam stattfinden. Hier kam ich nach 2.21 ins Ziel. Leider hat mein Knie mir diesen HM sehr übel genommen und ich hatte danach 4 Wochen mit ITBS zu tun.
Im Juni 2013 lief ich daher quasi gar nicht. Nach einer Ärzte- und Physioodysee hatte ich endlich eine Diagnose und eine einzige Massage brachte sofort Linderung!!! Wer hätte das gedacht!
Die Reise zum Berlin Marathon 2013 konnte also beginnen!!

Tja die Interessierten von euch hatten es vllt mitbekommen, aber der BM war im Oktober 2012 nach 3.5h ausverkauft! Wie hab ich da also einen Platz bekommen? Ich bin einfach nach meinem ersten 5km Lauf über meinen Schatten gesprungen und hab mich angemeldet. Das war das unvernünftigste was ich je gemacht habe, aber ich dachte: Wer weiß wo du in einem Jahr bist und dann bereust du es wenn du es nicht getan hast!

Im Juli stieg ich also in das Marathontraining ein. Es war natuerlich unklug direkt aus dem Kalten nach einer 4wöchigen Pause, aber was blieb mir anderes übrig. Ich hatte während der Zeit auch immer mal mit kleinen Wehwehchen zu kämpfe und ging am Ende einmal die Woche zur Physio. Das hat mir gut geholfen und wars mir wert. Das eigentliche Training machte ich mit einem Lauftreff in Berlin. Wir trafen uns jeden Sonntag morgen um 8!Uhr und liefen die langen Läufe gemeinsam. Wir starteten bei 21km und endeten bei 32km. Insgesamt liefen wir 3 Monaten jeden Sonntag zusammen. Unter der Woche lief ich weiterhin 2-3x alleine.

Mit so viel Unterstützung nahm mein Training ne ganz neue Wendung und ich bekam einen auf mich zugeschnittenen Plan. 4xWoche laufen, 2xBodyPump und 2xBodybalance standen immer auf dem Plan. Natürlich hat das nicht immer geklappt, aber im Großen und Ganzen konnte ich relativ ordentlich trainieren.
Die Ergebnisse kamen schnell. Im August lief ich einen Halbmarathon unter 2h. Obwohl ich eigentlich 2.10h anpeilte. Ich stellte hier neue Bestzeiten über die 5km und 10km Distanz auf. Das Training lief planmäßig und alles war toll! Ich freute mich auf meinen Marathon und hatte gleichzeitig total Angst vor meiner eigenen Courage!
Während der Trainingszeit verlor ich noch weiter Gewicht und pendelte mich dann bei 52kg ein!

3,5Wochen vor dem Marathon dann machte ich Intervalltraining und knickte auf dem Rückweg um…Mein Knöchel schwoll an und ich wurde mit Verdacht auf einen Bänderriss zum MRT geschickt. Die Ergebnisse sollte ich erst am 27.09. (2. Tage vorm Marathon) erhalten! Na ja wie ihr euch vorstellen könnt war die Stimmung am Boden! Aber alles ging gut aus! Es war nichts gerissen und ich durfte an den Start gehen! Das Training in den letzten Wochen fiel allerdings aus. Ich ging öfter zu Balance und crossern, aber lief kaum noch.

Am 29.09.dann lief ICH (die nie laufen wollte) meinen ersten Marathon. Es war einfach nur toll. Alles ging so einfach und kurz vor dem Ziel dachte ich mir. Was tust du hier eigentlich und wieso ist nichts schief gegangen und ey du hast es gleich geschafft!!! Ich hatte glücklicherweise das perfekte Tempo gewählt und konnte entspannt in 04.29.27h durchlaufen. Mein Ziel sub 4.30h zu schaffen erreichte ich damit genau.

  

Vielleicht ist das ein völliges Klischee, aber so ein Marathon verändert einen wirklich. Allein das Training tut es. 4xdie Woche laufen zu gehen, jeden Sonntag zu opfern und um 6 aufstehen, damit man um 8 beim Lauftreff sein kann nur um die km zu fressen. Man lernt Disziplin, man lernt sich selbst kennen, man lernt, dass man alles schaffen kann wenn man es nur will!!
Wenn man die Ziellinie überquert sprüht man vor Selbstbewusstsein und dieses Gefühl ist immer noch nicht gegangen. Ich weiß jetzt was ich mir zutrauen kann und was in mir steckt. Aber das Beste is, wenn ich das kann, kann das jeder von euch auch! Es ist wirklich nur ne Frage des Willens!! Ich will ja nichts beschönigen, man muss schon für alles arbeiten. Ich hatte auch Rückfaelle beim Essen, hab ma ne Woche keinen Sport gemacht, aber mich immer wieder aufgerappelt, weil ich ein Ziel vor Augen hatte. Manchmal stellt man das aber auch in Frage wenn man um 5 aufsteht, damit man die Laufeinheit noch vor der Arbeit schafft.

Inzwischen habe ich an über 20 Wettkämpfen teilgenommen und bei mir zu Haus stapeln sich die Medaillen. Ich habe mir jetzt einen echten Medal Hanger aus Großbritannien bestellt um sie alle ordentlich aufhaengen zu können. Derzeit haengen sie alle an meiner Gitarre. Das tut mir schon weh die Marathonmedaille zwischen all den anderen zu sehen! Ich finde sie hat nen eigenen Platz verdient.

Das Gute ist, dass inzwischen viele meiner Mädels den Laufsport für sich entdeckt haben. Inzwischen laufen 6 meiner Freundinnen mehr oder weniger regelmäßig und sind auch schon einige Wettkämpfe mit mir gelaufen.

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15 Responses

  1. Lotta
    | Antworten

    Hey Joshly,
    wenn du das geschafft hast, dan hab ich ja auch noch Hoffnung! Hab Anfang des Jahres mit dem Laufen angefangen, aber mich zu schnell verausgabt, sodass ich grad noch an ner Knie- und Schienbeinverletzung knabbere… So richtig Spaß hat mir das Laufen bisher nicht gemacht. Ich hoffe aber, das kommt, wenn ich langsam wieder anfange!
    Beste Grüße und Danke für die Motivation!
    Lotta

    • Mietze
      | Antworten

      Liebe Lotta, na klar schaffst du das auch. Ich war wirklich die Unsportlichkeit in Person. Man muss nur dabei bleiben und dann wird das. Überlastungserscheinungen sind gerade bei Anfängern leider recht häufig, weil die meist zu viel zu schnell wollen. Der Körper brauch jedoch recht lange um mit der neuen Belastung zu Recht zu kommen. Ich hoffe du kannst das nächstes Mal etwas langsamer und entspannter ans Laufen gehen und ich bin mir sicher, dass es dann klappt!
      Liebe Grüße

  2. Elischeba
    | Antworten

    Hey Joshly, super Story und Danke dafür, dass ich dich interviewen darf 🙂

    Kannst mir gern deine Mail Adresse senden – ich schick dir dann die Fragen und freue mich schon darauf, dich und deinen Erfolg meinen Lesern vorzustellen 🙂

    LG Elischeba

    • Mietze
      | Antworten

      huhu vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit:-)

  3. Vera
    | Antworten

    Motivierend Deine Laufgeschichte zu lesen! (ich arbeite ich an den 20 Minuten 😀 )

    • Joshly
      | Antworten

      auch 20min muss man erstmal schaffen. Halte mich auf dem Laufenden!

  4. […] My Story […]

  5. […] My Story […]

  6. Jürgen
    | Antworten

    Moin

    Unterschriebe ich sofort: "Man lernt Disziplin, man lernt sich selbst kennen, man lernt, dass man alles schaffen kann wenn man es nur will!!"

  7. Mrs. Runningbirki
    | Antworten

    Ich finde "Deinen Weg" wahnsinnig inspirierend für andere Mädchen und Frauen.
    Toll gemacht.

    • Joshly
      | Antworten

      oh da werde ich ja ganz rot:-) Vielen lieben Dank!

  8. Jana
    | Antworten

    Hey Joshly,

    hatte dich bis jetzt nur über Facebook auf dem Schirm.
    Jetzt hab ich es endlich mal auf deine Homepage geschafft und bin am rumschnüffeln.
    Wirklich toll, wie viel Sport du machst.

    Ich will mir nächstes Jahr jetzt auch meinen ersten Marathon raussuchen, hab mich noch nicht entschieden welcher es werden soll.

    Ich wünsch dir auf jeden Fall weiterhin viel Spass am Sport.

    Keep on running :)))

    Jana von http://www.lauf-zeit.com

  9. Kristin von EatTrainLove
    | Antworten

    Hi Joshly,

    ich bin über Manu auf deinen Blog aufmerksam geworden und bin total begeistert von deiner Laufgeschichte und dem Enthusiasmus, mit dem du vom Laufen berichtest. Ich habe jetzt auch wieder begonnen zu laufen und will es dieses Mal richtig angehen. Bisher bin ich zwar regelmäßig aber irgendwie ohne Ziel gelaufen. Jetzt wird das anders. Im nächsten Jahr werde ich 30 und will mit 30 die 42,2km laufen! Mein großer Traum! 🙂

    Aber auch in diesem Jahr will ich schon mal den ein oder anderen 10km-Lauf oder sogar HM mitmachen. Mal sehen!

    Besuch mich doch auch mal auf meinem Blog, falls du ihn nicht schon kennst.

    Ganz liebe Grüße

    Kristin von Eat Train Love (www.eattrainlove.de)

  10. laufwelt
    | Antworten

    Wow, was für eine Entwicklung! Du hast meinen vollsten Respekt und ich bin auf Deine weiteren Erfolge und Pläne gespannt! Alles Gute dafür!

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