Meiner erster Marathon in Berlin

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Diesem Tag haben ich verdammt lange entgegen gefiebert und gestern war es endlich so weit. Mein erster Marathon in Berlin stand bevor.

Nach nicht optimaler Vorbereitung wollte ich vor allem Spaß haben und die Marathondistanz kennen lernen.

Der Tag

Aufgestanden bin ich um 5.45Uhr. Ich machte mich schnell fertig und frühstückte 3 Milchbrötchen mit je Erdnussbutter, Nutella und Philadelphia mit Pflaumenmus.

6.20Uhr ging ich los um 6.36 die Bahn nach Mitte zu erwischen. Hier kam ich kurz vor 7 an und wartete auf meinen Coach. 7.15 bis 7.30 sollte das Gruppenfoto vom Lauftreff Hübner gemacht werden.

erster Marathon in Berlin
Lauftreff Bernd Hübner beim Berlin Marathon 2013

Der abgetrennte Start / Ziel Bereich

Wir verabschiedeten uns und gingen dann in den Start/Ziel Bereich. Dieses war dieses Mal erstmals nur für Läufer und Helfer zugängig. Um hinein zu gelangen musste man das blaue Armband vorzeigen. Zum Glück war es noch relativ leer und so suchten wir unsere Kleiderablagen und gingen auf die Toilette.

Meine Kleiderablage war schwer zu finden. Sie war weit von den anderen entfernt und dann auch noch nach männlich und weiblich getrennt, so dass man, wenn man dachte, man hat es, gleich wieder weitergeschickt wurde.

erster Marathon in Berlin
abgesperrter Bereich für Läufer

 

erster Marathon in Berlin
blaue Linien Berlin Marathon

Gegen 8.20Uhr zog ich meine langen wärmenden Sachen aus und gab den Kleiderbeutel ab. Danach ging ich in den Startblock H. Der Block in dem alle Ersties starten.  Auch hier waren nochmal Dixies aufgestellt. Noch als ich in der Schlange stand, fiel der Startschuss für die Elite! Kurz darauf, dann auch der für die Blöcke A-E. Pünktlich für meinen Startschuss fand ich mich wieder im Block ein und langsam rückten wir an die Startlinie vor. Ich war offenbar relativ weit vorne im Block, denn vom Startschuss bis zum Überqueren der Linie vergingen nur wenige Minuten.

Ich lief in langem schwarzen Shirt, welches ich bei km 4 an meine Freunde abgeben wollte. Davor war es mir einfach noch zu kalt. Darunter hatte ich mein oranges Tanktop an, an dem auch die Nummer befestigt war.
Unten rum entschied ich mich für meine kurze schwarze Nikeshorts. Auch meine Schuhe waren von Nike und zwar meine orangen Nike Structure. Die Socken war passenderweise auch orange und von Wright Socks.

In Berlin wird die Ideallinie der Strecke mit den 3 blauen Linien gekennzeichnet. In einer Doku habe ich gesehen, dass es angelehnt ist an die Adidaslinien.

Ganz entspannt starten

Die ersten km erinnerte ich mich immer wieder an den wichtigsten Satz: Bloß nicht zu schnell starten!! Ich befolgte den oft genannten Rat und lief die ersten km im 6.45-6.40er Tempo. Auch auf den nächsten 5km waren noch einige relativ langsame km dabei, da sich das Feld noch nicht ausreichend auseinander gezogen hatte und es einfach zu eng war. Beim km 8 wurde ich schon von meinen Schwiegereltern begrüßt und nahm das erste Gel mit.

erster Marathon in Berlin
Strecke des Berlin Marathon (c) SCC Events

Ich hatte mich nach langer Überlegerei für diese entschieden. Eigentlich bin ich ja kein Fan von solchen Gels, aber ein großes Risiko (hinsichtlich des Einbrechens) wollte ich gerade beim ersten Marathon auch nicht eingehen.
Das wäre aber definitiv etwas an dem man bei vielleicht weiteren Marathons arbeiten könnte. Eben ohne solche Sachen durchzukommen!

Also erstmal das wichtigste: Ich konnte den Marathon super durchlaufen und habe mit meiner 4.29.26 ein Punktlandung für Sub-4.30h gemacht:-)

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht mehr viel vom Lauf an sich weiß. Irgendwie flog alles an mir vorbei und dabei hatte ich doch eine km für km Besprechung versprochen.

Die Erinnerungen sind verschwommen

Einige Einzelheiten an die ich mich erinner war eine Frau auf den ersten km. Auf der Rückseite ihres TShirts stand Ü40! Hetz mich nicht.
Dann waren auch viele Jubilee Club Mitglieder unterwegs (ab 10Berlin Marathonteilnahmen erhält man eine Startnummer auf Lebenszeit und jedes Jahr einen garantierten Startplatz). Die hatten meist die Anzahl der absolvierten Berlin Marathons auf dem Rücken stehen.
Bei km 12 stand jemand und hielt ein Schild hoch mit “Nur noch 30km”. Da weiß man ja nicht ob man lachen oder weinen soll.
Schön war auch bei km 32: Noch 10km und dann gibts Bier! Oder ab der Hälfte: Umdrehen wäre jetzt auch blöd!
Ansonsten liefen die üblichen Verdächtigen mit: Eine Katze, ne Geisha, Asterix und Obelix samt Hinkelstein und ein paar Erdinger Bierflaschen.

Ich kann die Füße kaum anheben

Bei km 27? war der Powerbarversorgungsstand. Meine Güte war der Boden hier klebrig. Ich hatte den Eindruck da ziemlich Zeit einzubüßen, was sicher Schwachsinn ist, aber die Füße dort wieder vom Boden hochzukriegen war nicht so leicht:D
Auf der gesamten Strecke gab es 4 Wasserduschen von denen ich auch drei mitgenommen hab. Das war ein tolles Gefühl da durchzulaufen. Man kriegt zwar immer nen halben Herzinfarkt, weil es auf einmal so kalt wird, aber es ist einfach ne tolle Erfrischung.
An der Strecke war eigentlich immer etwas los. Es gab wirklich keinen einzigen Bereich in dem kein Zuschauer war. Insgesamt waren ca 80 Bands an der Strecke, auch die haben wirklich ne tolle Stimmung gemacht, aber auch davon habe ich komischerweise kaum etwas mitbekommen.Zurückblickend war ich irgendwie völlig abwesend auf der gesamten Strecke…

Es wird nicht schwer

Ich hatte fest damit gerechnet, dass es ab 35 echt schwer werden würde, aber irgendwie kam nie ein tiefer Punkt.
Ich hatte Gels bei km 9,22, 29 und 32 genommen. Das bei 32 war irgendwie ungeplant. Ich hatte vergessen, dass ich bei 28 schon eins genommen hatte. Nun ja hinterher war mir etwas schlecht, aber das verging wieder. Passiert eben wenn man nicht aufpasst:D Bei km 37 habe ich dann auch einen kleinen Apfel genommen. Das war wirklich super. Ich frag mich wieso sich Bananen so durchgesetzt haben?? Die liegen ewig schwer im Magen, aber so ein Apfel nicht und hat gleich noch ne Menge Flüssigkeit.

Ach bei km 34,5 war übrigens der Versorgungsstand von meinem Lauftreff. Ich wusste, dass er da kommt, war aber dann doch überrascht, dass ich auf einmal schon da war. Hier wurde auch folgendes Bild aufgenommen.

Ich hatte auf alle Fälle noch sehr viel Spaß. Das war auch der einzige Punkt an dem ich stehen geblieben bin. Ansonsten bin ich wirklich den gesamten Marathon durchgelaufen und nur an den Verpflegungspunkten gegangen. Bei 37/38? fiel’s mir allerdings schwer danach wieder anzulaufen, weil man es bis dahin natürlich schon in den Knien merkt. Aber ganz ehrlich? Da gibt man dann nicht mehr auf.
Zeittechnisch war ich nach der Hälfte mit 2.17 etwas enttäuscht. Ich sah meine Felle davon schwimmen und dachte, das hol ich nie wieder auf. Wer laeuft denn schon 4min schneller auf der zweiten Hälfte seines ersten Marathons. Von da an probierte ich das Tempo etwas anzuziehen. Das gelang mir auf den ersten 10km noch nicht so, aber in den 30ern lief es dann sehr rund und ich konnte einige Minuten gut machen.

Die Zeit rennt mir davon

Ich wusste dass es sehr knapp werden würde mit sub 4.30. Bei km 39 hatte ich eine 4.11 auf der Uhr. Also noch 19min für die letzten 3,2km. Ich wusste, dass ich das schaffen kann und zog das Tempo nochmals an.
km 40 war mein schnellster überhaupt mit 5.28. Dann folgte 41 mit 6.16. Hier war nochmal eine Verpflegungsstation. Ich lies sie aus, aber abgebremst wird man dadurch trotzdem. Km 42 lief ich in 5.56 und die letzten 200m dann mit einer Pace von 5.32. Wer hätte gedacht, dass die letzten 3 meine schnellsten sein würden:-)

 

Insgesamt lief ich mit einer Durchschnittspace von 6.18 und einer Durchschnittsherzfrequenz von 155. Nur am Anfang zeigte meine Uhr einen Peak von 224. Diesen interpretiere ich einfach mal als Messfehler: Noch nie habe ich einen Wert über 200 gehabt!
Hier die gesamte Übersicht: Ich muss ja sagen, dass ich 1665 kcal echt mickrig finde für einen ganzen Marathon und 4.5h Sport!!! Aber na ja was soll man machen wa?

Emotional im Ziel

Die letzten Momente waren übrigens wirklich klasse. Wenn man Brandenburger Tor vor sich sieht und weiß, dass es nicht mehr weit ist. Die ganzen Fotographen sitzen davor und machen fleissig Bilder und gleich ist man im Ziel. Viele nutzen hier letzte Reserven und sprinten noch einmal davon. Auch ich wurde ja wieder schneller. Im Ziel war ich erst völlig emotional. Ich bin eigentlich niemand der leicht weint, aber war doch schon nah dran. Leider hatte ich leichte Probleme mit der Atmung. Sie war recht flach und viel zu schnell. Klar ist sie nicht normal wenn man grad einen Marathon gelaufen ist, aber ich hatte auch das Gefühl keine Luft zu bekommen und blieb erstmal bei den Sanitätern stehen. Das beruhigte sich allerdings relativ schnell wieder und ich ging weiter um mir meine wohlverdiente Medaille abzuholen.
Ich hatte einen Bärenhunger als ich ankam und griff mir gleich 2halbe und einen ganzen Apfel. Uff also ich habe mit viel Quälerei den halben runterbekommen und den anderen in meiner Verpflegungstüte verstaut, die es auch hinter dem Ziel gab. Enthalten waren noch mehr Äpfel, eine Banane, ne Flasche Wasser, ein Nougathörnchen, Salzstanden und son Riegel von PowerBar. Das kann sich sehen lassen finde ich!!
Überhaupt war die Verpflegung während des Marathons und danach super. Die Wasserstationen waren immer ausreichend lang. Obst gab es genug, auch wenn ich es erst kurz vor Schluss entdeckt habe:D Die Helfer waren freundlich und ich hab immer allen ganz ordentlich in die Augen geblickt und Danke gesagt. Die haben da heute schon einen tollen Job gemacht. Auch die Helfer bei den Medaillen!! Sie haben sie mir umgehangen. Das finde ich wichtig, gerade bei solch langen Rennen. Für einen Marathon trainiert man ja wirklich lange und wenn man die Medaille dann nur so lieblos in die Hand gedrückt bekommt, finde ich das schon traurig.
Gleich hinter den Medaillen gab es übrigens die obligatorischen Plastefolien zum Warmhalten. Die habe ich auch gebraucht, denn bis ich wieder bei meiner Kleiderausgabe war, dauerte es bestimmt 20min. Ich lief natürlich entsprechend langsam und voll war es sowieso. Dann wollte mittendrin noch der Krankenwagen durch und ich hatte ja sowieso Zeit:-) Ist ja nicht so, dass man ausschweifende Pläne nach einem Marathon hat. Lach

Die Familie wartet

Jedenfalls bekam ich auch schnell meinen Beutel wieder und zog mir lange Sachen an und dann legte ich mich hin. Nur so 5min. Meine Freunde hatten mir schon geschrieben, dass sie da sind, aber ich habs nicht hingekriegt gleich loszugehen. Neben mir berichteten alle von ihrem Marathon und ich hörte zu und genoss 5Minuten das Nichtstun. Das Problem beim Hinlegen ist allerdings, dass man irgendwie auch wieder aufstehen muss!! Doof, wenn man das vorher nicht bedenkt:D Es ging dann aber doch überraschend gut und ich machte mich auf den Weg zum Familientreffpunkt.
Ich nahm allerdings leider den falschen Ausgang aus dem Start/Zielbereich und musste dann außenrum um den ganzen Bereich laufen, weil ich nich mehr reinkam! Da war ich den Tränen näher als im Ziel!
Nun ja aber es haben zum Glück alle freundlich wie sie sind auf mich gewartet. Hier traf ich meine Eltern, meine Schwiegerelten und meine 2 Freunde. Leider haben wir keine Fotos gemacht….Daher muss ich auch auf das offizielle Zielfoto warten um eins in Rennkleidung mit Medaille zu haben. Das nächste Mal muss ich da unbedingt dran denken.
Alle waren aber super drauf und haben sich mit mir gefreut. Meine Schwiegermutter schenkte mir dann noch diese tolle Nikematte. Die hatte sie auch zum Geburtstag bekommen und da hab ich damals schon ganz neidisch geschaut. Nun hab ich selber eine yeeeah
Da ich nun auch meine ganze Streckenverpflegung von meinen persönlichen Streckenposten wiederbekommen hatte plus die Matte, hatte ich keine Ahnung wie ich das nach Haus bringen sollte.
Mutti brachte mir außerdem ein Muskelentspannungsbad mit und als sie mir das reichte fiel ihr ein: “Ach Mensch, du hast ja gar keine Wanne”. Tja damit war ihr Schicksal besiegelt, denn ich fuhr mit zu ihr, badete dort und lies mich dann nach Hause fahren. Hehe, Service!!
Wenn ihr euch fragt ob ihr nen Marathon schaffen koennt, dann sage ich euch: JAAAAA. Wenn ich das kann, könnt ihr auch!
Ob ich nochmal einen Marathon laufen werde, fragt ihr euch? Sehr wahrscheinlich! 🙂
Folge Mietze:

Tierärztin

immerhungrige katzenverliebte fitnessverrückte Weltenbummlerin

12 Responses

  1. Anonym
    | Antworten

    Ja, also, schöne Beschreibung Ihrer Erfahrungen beim Berlin- Marathon. Ich lief dort auch. War auch meine erstes Mal. War gut und ich wunderte mich zum Schluß, dass ich eine solche Strecke bewältigen kann. Ging. Kam sah und lief durchs Ziel. Hinterher ging es mir wie vielen Marathonis, ich kam drei Tage die Treppe nur noch rückwärts herunter. Was ich nicht mehr machen würde ist, am nächsten Tah gleich wieder Arbeten gehn. Ich konnte nur durch unser Büro schleichen, geschweige denn die Treppen laufen. Ich scheute mich auch Gels zu nehmen. Hörte aber auf den Rat von Laufguru Mr. Greif und nahm ab KM 10 alle weiteren 5 KM ein Gel ein. War gut und ich hatte genug Kraft bis zum Ende. Ja, meine Zielzeit, jetzt gebe ich an -:), war 04:03:15 Stunden. Jow, freute mich darüber und meine Arbeitskollegen waren neidisch.

    • Joshly
      | Antworten

      super Zeit:-) Vllt klappt es ja bei den nächsten Marathons mit weniger Gels. Daran kann man denke ich definitiv arbeiten. Ich werde wohl auf selbst gemachte Energiebällchen umsteigen:-)

  2. Markus
    | Antworten

    Glückwunsch zu deinem erste Marathon! Weiter so!

  3. Karina
    | Antworten

    Super. Herzlichen Glückwunsch zum Finish und der zeitlichen Punktlandung 🙂 !!!!
    Die 2 Schilder habe ich tatsächlich gesehen 🙂 !!!!!! Unglaublich.
    Ich werde wohl nicht mehr in Berlin starten, da mir das mit der Auslosung zu unsicher ist.
    Tat deine Massage übrigens auch so weh?
    Viele Grüße und gute Erholung
    Karina

    • Joshly
      | Antworten

      auch danke dir:-) Cool, dass du die Schilder gesehen hast! Ich hab mich naechstes Jahr wieder eingetragen für Berlin, mal schauen obs was wird. Wenn nicht habe ich schon eine andere Stadt im Blick!:-) Meine Massage war sehr angenehm. Hatte auch nur leichten Muskelkater und ab Mittwoch war der dann weg:-)
      War aber noch nicht wieder laufen wegen meinem Urlaub, aber morgen! hehe

  4. In unmittelbarer Ferne
    | Antworten

    Wow!
    Erst mal herzlichen Glückwunsch, dass du das geschafft hast.
    Dein Post macht echt Lust drauf, auch mal einen Marathon zu laufen, aber bei mir steht wohl erstmal der Halbmarathon an…

    • Joshly
      | Antworten

      danke dir:-) Du weist ja was nach dem HM kommt:-)

  5. laufwelt
    | Antworten

    Super!!! Herzlichen Glückwunsch!!! Ganz toll! Du kannst wirklich stolz auf Dich sein was Du in so kurzer Zeit erreicht hast! Ich laufe jetzt schon über sechs Jahre und bin noch keinen einzigen Marathon gelaufen und Du hast das so schnell gepackt! Perfekt, Frau Marathon!

    Wünsche Dir jetzt gute Regeneration! Genieße jetzt erstmal das Nichtstun!

    Und ich bin schon auf Deine nächsten Ziele gespannt! 🙂

    • Joshly
      | Antworten

      danke dir:-) Mir schwirren schon einige Ziele im Kopf rum. Konkret ist aber noch fast nichts. Viel hängt von der Berlin Marathon Auslosung ab. Soviel dazu lach. Der Post dazu ist allerdings schon fertig geschrieben. lach
      Registrier dich doch auch!!
      Oh ja ich geniesse das Nichtstun sowas von. War heute eine Stunde bei der Massage!! Schnurrrr

  6. Anonym
    | Antworten

    Mäuselchen,ich bin stolz auf dich! Wahnsinnsleistung!!!!!!!
    Bussi Petra

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